Nach Hause

Neuigkeiten

Kartenverzeichnis

Karten­aus­schnitte

Wandern

Anders Wandern

Draußensein

Kartographie

• Reliefshading
•• Afrika
•• Schöne graphische Blätter
•• Europa
•• Vulkane

Themen

Karten bestellen

Links

Kontakt

Redaktion

Anhang

Vulkane

Zu den faszinierendsten Bergen der Erde gehören die Vulkane. Dank SRTM-Daten kann der Kartograph, so wie der Astronom den Sternhimmel, das Relief der Erde durchmustern. Er findet dann mitunter phantastische Bilder ...

Die Bilder sind nicht unbedingt ganz klein, man rechne u. U. mit etwas Ladezeit.

N35E138.HGT

Kachel N35E138.HGT zeigt ein Relief, bei dem zwei geologische Zeitalter aufeinandertreffen.

(250 kByte)

Im W erscheinen ältere Hochgebirgsformen mit Höhen von 800 bis 3000 m. Im SO ragt ein gewaltiger Berg auf, der offensichtlich jünger ist. Dieser riesige Berg überragt mit 3776 m das Grundgebirge um fast einen Kilometer und scheint es förmlich zuzuschütten. Es ist offenbar ein Vulkan, dessen Lava wie ein riesenhafter Pudding in die angrenzenden Täler hineingeflossen ist. Dies erkennt man auch an dem relativ* kleinen Krater am Vulkangipfel.

Keine Herausforderung für Bergsteiger: Ein Berg mit, so scheint es, offenbar leicht zu ersteigenden flachem Kegelhang. Möglicherweise aber eine Herausforderung für Marathonläufer. Es sind immerhin etwa 25 Kilometer Luftlinie mit 3770 Höhenmetern.

Damit ist der vermeintlich flache Steilhang eine der Bodenformen der Erde mit der höchsten Reliefenergie. Kein Wunder, dass dieser Berg den Menschen, die an ihm siedeln, heilig ist: Es ist der Fujiyama, der heilige Berg der Japaner.

* Der relativ kleinen Krater hat übrigens, so ist den SRTM-Daten zu entnehmen, etwa 700 Meter Durchmesser und ist 230 Meter tief.

Ich habe versucht, mit der Reliefdarstellung die beiden Geologien klar herauszuarbeiten. Der Fuji San in göttlichem Licht oder in der Helle des Schnees, in dem man ihn kennt. Das bedeutet in der Sprache des kartographischen Werkzeugkastens: Finger weg von klassischer (lichthangzeichnender) Schräglichtschummerung im Grundgebirge. Die Alternative heißt Kombinationsschummerung nach Stams. Diese nicht streng monochrom, sondern in dezent hangexpositionsabhängigem Kolorit. Eine höhenaufhellende Luftperspektive - Versuch über Imhof - gibt dem Berg Licht. Die tieferen Lagen sinken in leichtem Olivton ab.


Der Krakatau

Die Sundastraße trennt die beiden großen Sundainseln Java und Sumatra. In der Mitte der Meerenge 4 unscheinbare Inseln ...

(nur 35 kByte)

Die mittlere Insel hat SRTM mit 269 m Höhe vermessen. Fast ein bißchen enttäuschend: Das Hügelchen soll ein Vulkan sein, dessen Ausbruch zu den größten Vulkankatastrophen der Menschheitsgeschichte gerechnet wird? Es ist doch auf seinem Gipfel nicht einmal ein Krater zu erkennen ...

Die Südostinsel der Inselgruppe ist sichtbar höher und bringt es auf immerhin 770 Meter.

Wenn man aber weiß, dass beide Inseln bis zu dem großen Ausbruch von 1883 noch eine gemeinsame Insel bildeten, relativiert sich die vermeintliche Enttäuschung über den „kleinen Krakatau“. 52 winzige Bildschirmpixel trennen beide Inseln. Jedes Pixel misst 3 Bogensekunden a etwa 31 Meter. Demnach sind die Inseln etwa 5 Kilometer voneinander entfernt.

Genau das ist aber der halbe Kraterdurchmesser! Es ist nicht die kleine zentrale Insel, die etwa des Rest des Krakatau nach der Explosion darstellen würde. Vielmehr ist die gesamte Inselgruppe der kleine Überwasserrest des Kraters eines gewaltigen Vulkankegels, der unter Wasser verborgen liegt.

Eine ähliche Anordnung findet sich bei der Inselgruppe Santorin in der Ägäis. Es wird vermutet, das diese Inselgruppe der Rest eines Vulkans ist, dessen Ausbruch vor etwa 3500 Jahren die Minoische Kultur auf Kreta auslöschte.

Die Abbildung zeigt eine einfache Höhenschichtendarstellung mit „Peuckerfarben“.


Eine kaum bekannte Insel erzählt ihre Geschichte

In meinem Handexemplar der „Enzyklöpädie Natur“ finden sich neben den bekannten Vulkanausbrüchen wie Mont Pelee 1902, Krakatau 1883 und Vesuv 79 u. Z. auch die Eintragung:

Tambora (Sumbawa) 10. April 1815, Zahl der Todesopfer 56000.

Sumbawa ist eine der kleinen Sundainseln zwischen Java und Timor. Aus den SRTM-Daten lassen sich detaillierte Darstellungen des Georeliefs dieser Insel erzeugen. Diese erlauben erstaunliche Einblicke in ihre Erdgeschichte, die sich 1815 in tragischer Weise mit der Geschichte der Menschheit vereinigt hat:

(110 KByte)

(160 KByte)

Im Norden der Insel klar zu erkennen: Ein in seiner Ausdehnung etwa 50 Kilometer messender gewaltiger Vulkan. Das ist der Tambora. Allein die Caldera hat etwa 6 km Durchmesser und 1100 Meter Tiefe. Die Oberfläche des Tambora ist relativ glatt, was einleuchtet: Die Abtragungskräfte haben sich in den etwa 200 Jahren seit 1815 noch nicht allzutief eingraben können.

Ungleich zerklüfteter sind hingegen die anderen Berge. Es sind ebenfalls Vulkane, wie an den Resten ihrer Krater klar erkennbar ist. Aus dem unterschiedlichen Stand ihrer Abtragung lässt sich auf ein unterschiedliches Alter schliessen.

Aus der Größe ihrer Kraterreste kann geschlossen werden: Ihre Ausbrüche müssen nicht unbedingt weniger stark gewesen sein als der des Tambora. Nur zeigen die stark abgetragenen Oberflächenformen, dass diese schon Zehntausend, Hunderttausend oder gar Millionen Jahre zurückliegen.

Vor dem großen Ausbruch von 1815 war der Tambora 4300 Meter hoch. Verschiedene Schätzungen der ausgeworfenen Gesteinsmasse liegen bei 15 km³ bis 150 km³!

Von den 56000 Todesopfern, die die „Enzyklopädie Natur“ nennt, waren etwa 12000 unmittelbare Opfer des Ausbruchs, die übrigen starben infolge der durch den den Ausbruch verursachten Hungersnot.

Dass der Tambora in Europa nur wenig bekannt ist, heißt übrigens nicht, dass er sich in Europa nicht bemerkbar gemacht hätte. Die in die Atmosphäre geschleuderten Stoffmengen haben das Klima der gesamten Erde auf mehrere Jahre hin abkühlen lassen. Unsere Geschichtsbücher überliefern Missernten, Hunger und Getreideteuerungen aus den Jahren 1816 und 1817 – Folgen des Tamboraausbruchs. Erst im Jahr 1818 hatten unsere Vorfahren die schlimmen Napoleonischen Kriegsjahre tatsächlich einigermaßen überstanden.


Bei allem Spektakulären der feuerspeienden Berge ist allerdings anzumerken, dass verheerende Vulkanausbrüche eher selten sind, sich häufig ausreichend ankündigen und eher wenig Menschenleben fordern. Krankheiten, Kriege, Hunger und Erdbeben sind wesentlich gefährlicher. Der Autoverkehr übrigens auch.

Zum Seitenanfang