Das große ẞ
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•• Straßenschilder
•• Das Trekkingpfad­zeichen
•• Das ẞ ist da

Anhang

Teil 1: Don E. Knuth und das geniale SVG-path-ARC-Kommando
Teil 2: Kartensignaturen in SVG definieren
Teil 3: Mein Kartensignaturen-Verzeichnis
Teil 4: Meine Wegemarkensammlung
Beispiel: Straßenschilder
Beispiel: Das Trekkingpfadzeichen
Beispiel: Das große ẞ (Diese Seite)

Ein kleiner Schritt auf einem Computer, aber ein großer Schritt für alle, die mit Schrift zu tun haben.

Zwei kleine Experimente

  1. Einfach mal Word aufmachen und dann <Shift><>AltGr>ß eintippen. Also Umschalttaste, AltGr-Taste und ß-Taste zugleich drücken.
  2. Oder einfach mal <Alt> 7 8 3 8 auf dem Ziffernblock in der Textverarbeitung eintippen.

Es funktioniert: Er schreibt dann das Zeichen ẞ — das große Eszett ist da.

Ein kleiner Schritt auf einem Computer, aber ein großer Schritt für alle, die mit Schrift zu tun haben.

Dabei ist das eine lange Geschichte ...

  • Bereits um 1905 gab es erste Bleischriften mit großen ẞ-Lettern.
  • Weitere Bemühungen gab es in den 1960er Jahren in Leipzig.
  • Als ich ein kleiner Junge war, bekam ich (etwa 1966) das Buch „Kleine Enzyklopädie Natur“ geschenkt, in dem das große ẞ benutzt wurde. Da gab es das Kapitel „MAẞEINHEITEN“, und bereits damals habe ich mich mit dem großen ẞ ein wenig angefreundet.
  • Als ich 1991 meinen Titel „Großer Zschand“ gezeichnet habe, habe ich dann erstmals ein ordentiches großes ẞ selbst entworfen, um „GROẞER ZSCHAND“ und „GROẞES SPITZES HORN“ zu beschriften. Ein Probe-ẞ gab es schon 1990 im Titel Schrammsteine-Affensteine.
  • 2004 hat der Leipziger Typograph Andreas Stötzner erstmalig das große ẞ beim Unicode-Konsortium beantragt. Beim ersten Mal ging das noch nicht durch.
  • 2008 folgte Stötzners zweiter Antrag, nachdem er an Imbißständen und auf Grabsteinen ẞ-Nachweise gesammelt hat um zu beweisen, dass dieses Ding tatsächlich in Gebrauch war. Handschrift und Steinmetze. Computer ging ja nicht. Ein bisschen verrückt, aber die haben das dann in den Unicode aufgenommen.
  • Auf Codeplatz 7838. Das war zunächst noch nicht viel, aber ein wichtiger Zwischenschritt. Denn nun gab es da eine hypothetische Zeichenposition.
  • Die musste „mit einer Glyphe“ gefüllt werden. Heute schreibt und liest man das ẞ bereits halbwegs selbstverständlich weg. Seinerzeit musste aber erst einmal eine Form für das Zeichen gefunden werden, die weder mit B noch mit ß kollidierte, es sollte wie ein Großbuchstabe aussehen, aber zu exotisch sollte es auch nicht sein. Letztendlich hat sich eine Form durchgesetzt, die auf einen Herrn Mellhuth von Typoart Dresden aus den 1960er Jahren zurückging. Diese Mellhutsche oder Dresdener Form wurde, ebenfalls von Stötzner empfohlen, umfassend getestet und publiziert.
  • Nun konnten Typographen anfangen, Computerschriften mit ersten Entwürfen des großen ẞ zu schneiden. Und man konnte sich erstmals eine Schrift runterladen und zaghaft ein erstes ẞ an seinem Monitor hervorzaubern. Das war etwa 2010.
  • Dann ist noch eins passiert. Die haben das bei Microsoft in den Tastaturtreiber und die Brotschriften von Windows reingebaut. Damit nahm das Ding richtig Fahrt auf.
  • Und jetzt geht es auf jedem Computer.
  • Und bald wird es auch im Duden ein ß und ein ẞ geben.
Das ẞ ist nun ein richtiger Buchstabe. Und wir werden künftig auch immer ẞ schreiben, wenn wir den Buchstaben meinen und nicht mehr ß. Wenn wir den Buchstaben „A“ meinen, schreiben wir ja auch „das A“ und nicht „das a“, also groß. Man schreibt ja auch „das A und O“ oder „A-Taste“ und nicht „das a und o“ oder „a-Taste“. Das A ist ein Substantiv und wird groß geschrieben. Und somit ist auch „das ẞ“ ein Substantiv und wird großgeschrieben. Das ist ja ein Ding, denn somit gibt es im Deutschen also doch ein Substantiv, das mit „ẞ“ beginnt – das ẞ eben.

ẞ-Taste, ẞ-Form, ẞ-Regel ...

Na so was.

Und bald wird kein Mensch mehr daran denken, dass es einmal einen Buchstaben gegeben hat, den es nur klein gab und nicht groß. Und was das einmal für Umstände waren, mit den MASZEINHEITEN, PAßSTRAßEN und GOSSDÖRFERN.


Mehr ist dazu eingentlich nicht mehr zu sagen. Dennoch lass ich hier paar Bilder aus vergangenen Jahrzehnten stehen – sozusagen schon historisch.

1991. Bereits auf meinen ersten Karten hatte ich ein selbstgestaltetes Versal-Eszett mit der Atofeder gezeichnet.

Das ẞ in „GROẞER ZSCHAND“ (Großer Zschand 1:10000, 1. Auflage 1991).

Hier das „Große Spitze Horn“ in der alten Form, die Lang-s und Fraktur-z adaptierte (Großer Zschand, 1. Auflage 1991).

2006. Angeregt durch die Typographen Ingo Preuß, Andreas Seidel und Andreas Stötzner habe ich Entwurfsversuche mit der sog. Mellhuthschen oder Dresdener Form des großen SZ angestellt:

Entwurfsskizze (nach Mellhuth/Stötzner, aber mit gegenphasigem - federgerechterem - Rhythmus, ähnlich dem ẞ in Andreas Seidels Schrift Toshna)

Umstellung auf Mellhuthsche Form Dresdener Form (Großer Zschand 1:10000, 3. Aufl. 2009)

Großes Spitzes Horn nach Mellhuth (Großer Zschand 1:10000, 3. Auflage 2009)

Eines meiner schönsten ẞ – Weißbachtal (Zittauer Gebirge · Östlicher Teil 1:10000, 2. Auflage 2006)

Roßmäßlerbau (Stadtplan Tharandt)

Die Wasserscheide der Weißeritz (Stadtplan Tharandt)

Meißen (Panoramakarte Die Elbe, 1. Auflage 2010)

... der ältesten und größten Raddampferflotte der Welt (Panoramakarte Die Elbe, 1. Auflage 2010)

Ein frühes ẞ aus einer Liegenschaftskarte des Staatlichen Vermessungsamtes Pirna, etwa aus dem Jahr 2005. Unabhängig von Stötzner hat hier ein Softwareentwickler die Verwechslungsgefahr Versal-SZ mit Versal-B erkannt und gestalterisch behandelt. Auch dieses ẞ zeigt, was die Schaffung eines großen ẞ einmal für eine Entwurfsarbeit gewesen ist.


 

27.02.2017 (Überarbeitung)

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