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Die Kirnitzsch ist stärker, als 2 Weltkriege I

Deutschland erstmals seit 1871 größer geworden

Landgewinn an Grenzstein 28/8

Wenn wir Menschen unsere Staatsgrenzen verändern wollen, hat dies meist zwei Nachteile, a) geht sowas nur ganz selten unblutig aus, und b) sind so Kriege für den Angreifer nicht immer erfolgreich. Im Misserfolgsfall werden die Staatsgebiete dann am Ende manchmal sogar kleiner statt größer. So ist es Deutschland seit 1871 nicht mehr gelungen, sein Staatsgebiet zu vergrößern. Die beiden diesbezüglichen Großversuche waren ja bekanntlich mit viel Leid verbunden und sind gescheitert.

Doch nun gibt es erstmals seit dem Vertrag von Eger aus dem Jahr 1459 endlich wieder einmal einen Erfolg zu vermelden:

Die Kirnitzsch an grenzstein 28/8 Hier!

In Hinterhermsdorf an Grenzstein 28/8: Wir denken immer, Grenzen sind „in Stein gehauen“, gehen also dort entlang, wo Grenzsteine stehen. Das stimmt nur zum Teil, d. h. insofern es die sog. „trockenen Grenzen“ betrifft. Das Gegenstück dazu ist die „nasse Grenze“. In der Tat werden Grenzen überaus häufig duch Flüsse gebildet. Es gibt bekanntere Beispiele, wie die Donau zwischen Rumänien und Bulgarien oder den Rio Grande zwischen Texas und Mexiko. Oder-Neiße nicht zu vergessen. Und es gibt bescheidenere „nasse Grenzen“, wie die Kirnitzsch zwischen Hinterhermsdorf und Tschechien. Da geht die Grenze immer genau in der Flussmitte lang. Die Grenzsteine am Ufer haben lediglich „symbolischen Charakter“.

In ihrem schönsten Stück, auf den Hinterdittersbacher Wiesen unterhalb der Rabensteine mäandert die Kirnitzsch, d. h. es geht da nicht so richtig vorwärts, sondern in Schlängelkurven. (Es heißt übrigens immer „mäandern“ und nicht „mäandrieren“. „Mäandrieren“ ist falsch. Genauso, wie es „Erzgebirger“ heißt und nicht „Erzgebirgler,“ „Elbsandsteingebirger“ und nicht „Elbsandsteingebirgler“ – Entschuldigung, kleine Abschweifung.)

Zurück zum Mäander. Das Ufer an der „Mäander-Innenkurve“ ist nun ein Gleithang, an der „Mäander-Außenkurve“ haben wir einen Prallhang. Steter Tropfen höhlt den Stein, und irgendwann ist dann alles abgetragen. „Der Mäander bricht durch“. Das ist nun Pech für unsere nasse Grenze. Die geht dann plötzlich woanders lang.

Und schwupp, ist ein Land größer und das Nachbarland kleiner. Ganz ohne Krieg und Vertreibung.

Nun sind derartige ländergrenzenändernde Flussverlegungen sehr selten. Aber die Kirnitzsch hat es nach ein paar hundert Jahren gerade wieder einmal geschafft. Am Grenzstein 28/8 ist ein Mäander durchgebrochen. Die abgeschnittene Fläche ist mit 18 × 28 m völkerrechtlich nur wenig bedeutsam, als Häuslebauer-Grundstücksfläche würde es aber ausreichen. Immerhin 500 m².

Doch zuvor dürfte einige Bürokratie anstehen:

  • Zuerst müsste der Bundesinnenminister das Gebiet überhaupt erst einmal der Hoheit Sachsens unterstellen. Denn zunächst sind ja so Ländereien nach der Inbesitznahme durch einen Staat erstmal immer nur „Territories“ und kein „States“. Um es mal in australisch/kanadischer Sprechweise auszudrücken. Rein theoretisch könnte der Bund da auch ein neues Bundesland „South Hinterhermsdorf“ drausmachen. Vielleicht hat auch Baden-Württemberg Interesse an einer Exklave.
  • Nun also Bearbeitung beim Sächsischen Ministerium des Inneren. Vermessung, Aufnahme in das Landeskartenwerk bei GeoSN. Dann kommunale Unterstellung, wobei wir sicher nicht fehl gehen, wenn wir annehmen, dass eine Angliederung an Sebnitz erfolgt.
  • Flurstück bilden, Aufnahme in das Liegenschaftskataster. Das macht das Landratsamt. Grundbuchblatt beim Amtsgericht anlegen.
  • Das Grundstück ist nun allerdings noch herrenlos. Also Kaufantrag stellen, „in Besitz nehmen“. Gras hauen, trockenlegen, Briefkasten.
  • Bei der Nationalparkverwaltung die Anlage einer Baustraße beantragen. Dummerweise ist es Kernzone.
  • Auch mit den „Medien“ dürfte es nicht ganz einfach werden.
  • Nachdem dann der Einheitswertbescheid vom Finanzamt reinkam, kann dann endlich auch die begehrte Grundsteuerzahlung erfolgen.
  • Damit ist der letzte Schritt vollzogen. Sie verfügen nun über einen vollwertigen Grundbesitz der Bundesrepublik Deutschland und haben Anspruch auf dessen Verteidigung durch die Bundeswehr.

Die andere Möglichkeit: Man könnte versuchen, einen eigenen Staat zu errichten.

  • Das hätte den Vorteil des Fehlens von jeglicher Bürokratie.
  • In den Weltpostverein rein, dann ein Postamt aufmachen. Der Wanderweg geht gerade dran vorbei. Da würde wohl jeder gern eine Postkarte verschicken wollen.
  • Fahne entwerfen, Nationalhymne komponieren.
  • Na und dann natürlich Steueroase, Phantasiewährung. Bier aus Deutschland importieren, sich dann die beim Erwerb beim deutschen Getränkehändler gezahlte Mehrwertsteuer vom Finanzamt in Pirna erstatten lassen und steuerfrei ausschenken.
  • Muss dann allerdings auch selbst verteidigt werden. Das könnte sich als problematisch erweisen.


Hier meine genaue Kartierung des neuen Hoheitsgebietes:

Die Kirnitzsch an grenzstein 28/8

Kartengrundlage ist der Handriss aus der Grenzdokumentation. Diese hat die Bundesrepublik Deutschland bei der UNO hier hinterlegt.

Wandertipp: Von Hinterhermsdorf den Passgrund runter zur Niederen Schleuse, dann sind es auf dem blauen Strich noch etwa 3 Kilometer. Immer die Kirnitzsch lang, etwa 1 Kilometer hinter dem Grenzübergang Hinterdittersbach ist Grenzstein 28/8 erreicht. Weiter kann man dann über Jansloch zur Obere Schleuse wandern. Eine der schönsten Wanderungen der Sächsischen Schweiz und damit – der Welt.

Passende Böhm-Wanderkarte: Hinterhermsdorf und die Schleusen 1:10000. Gibts in Hinterhermsdorf u. a. im Haus des Gastes, in der Buchenparkhalle, im Wanderstübel, in der Hoffnung, auf dem Campingplatz Thorwaldblick und im Hinterhermsdorfer Dorfladen bei Jens Petters.


Ja und die Tschechen? Die Tschechische Republik ist ja nun ein bissl kleiner geworden.

Da habe ich noch einen anderen Vorschlag. Dass sich die beiden Innenminister, Milan Chovanec und Thomas de Maizière einigen mögen, es beim alten Grenzverlauf zu belassen. Dann wäre es der korrekte Dienstgang, die alte Grenzlinie zu „versteinen“, d. h. Grenzsteine zu setzen. Es würde dann ein kurzes Stück trockene Grenze auf der rechten Kirnitzschseite entstehen. Die Tschechische Republik hätte damit die Kirnitzsch überschritten und wäre nun im Besitz eines Brückenkopfes am anderen Kirnitzschufer. Ein Stück Böhmische Schweiz jenseits der Kirnitzsch.

Erstmals seit dem Vertrag von Eger aus dem Jahr 1459.

Hier die Fortsetzung der Geschichte ...


Links

Das war ja eine Überraschung, was diese kleine Info für ein Medienecho auslöste:
Sächsische Zeitung Pirna, 8. Juli 2016, S. 7: Ein neues Stück Deutschland (Gunnar Klehm)
BILD Deutschland, 11. Juli 2016, S. 3: Deutsche Ostgrenze verschoben (Claudia Lord)
MDR Aktuell, 11. Juli 2016, 17:47 Uhr
MDR Aktuell, 11. Juli 2016: Sächsischer Kartograph findet 500 Quatratmeter (Matthias Winkelmann)
MDR 11. Juli 2016 19:00 Uhr: Sachsenspiegel (Bericht Dan Hirschfeld, Kamera Stefen Schmidt)
MDR Aktuell, 11. Juli 2016: Sächsischer Kartograph findet 500 Quatratmeter (Matthias Winkelmann)
Spiegel Online, 11. Juli 2016: Ist Deutschland 500 Quadratmeter größer geworden? (Jörg Römer und Katja Braun)
Berliner Morgenpost, 11. Juli 2017: Deutschland könnte um 500 Quadratmeter wachsen
Thüringer Allgemeine, 11. Juli 2016: Kartograph hat gemessen
Neues Deutschland, 13. Juli 2016: 500 Quadratmeter mehr

Über trockene und nasse Grenzen:
Gesetz über die (DDR-)Staatsgrenze vom 25. März 1982

23.05.2016
26.05.2016
20.06.2016
10.07.2016
12.07.2016 Links
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27.07.2016
03.11.2016 Durchsicht

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