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Das Frühjahrshochwasser der Elbe 2006 in Bad Schandau

Mittwoch, 29.03.2006

Am Nachmittag des 29. März trifft die Vorhersage eines Hochwassers mit 8,60 m Scheitel (Schönaer Pegel) ein.

Was bedeutet das für Bad Schandau? Kaum jemand weiß noch, bei welchem Pegelstand 2002 der Markt überflutet wurde? Also nachrechnen: Als Markthöhe nehmen wir den Höhenbolzen vor der Bäckerei Schurz, dessen (HN-)Höhe mit 121,695 m bekannt ist. Gegeben ist weiterhin die Bad Schandauer Pegelnullhöhe mit 114,080 m über NN. Wir rechnen:

  • Umrechnung von HN in NN: 114,080 – 0,128 (Umrechnungswert) = 113,952 m (Pegelnull in HN)
  • Übertragung 150 m stromaufwärts: 113,952 + 0,150 (3 Promille Elbgefälle) = 114,102 m (Pegelnull am Markt über HN)
  • 121,695114,102 = 7,593.

Der Höhenbolzen wird bei Pegelstand 7,593 m überflutet, also bei 7,60.

Der Unterschied zwischen Bad Schandauer Pegel und Schönaer Pegel spielt hierbei übrigens keine Rolle, denn beide Pegelstände sind bis auf etwa ± 5 cm gleich hoch. Man kann also immer den Schönaer Pegel nehmen.

Es ist also ein Hochwasser zu erwarten, das etwa einen Meter auf dem Markt stehen wird.

Donnerstag, 30.03.2006

Am Donnerstag abend wird der Markt überflutet.

Wo ist der Markt aber nun am tiefsten? Dies wurde etwa 18:00 Uhr fotografisch festgehalten: Vor dem Café Stammler („Stammlerloch“) ...

... und vor der Bäckerei Schurz („Kirchloch“).

Um 18:30 Uhr liegt Pegel Schöna 7,54 m an. Unsere Rechnung war also richtig:

Bei Pegel Schöna 7,60 m wird der Marktplatz Bad Schandau überflutet.

Nachtrag 2011: Das hat sich auch 2011 bestätigt. Offiziell gilt als „Marktüberflutungshöhe“ zwar nicht 7,60 m, sondern 7,50 m. Diese Höhe ist aber nicht die Marktüberflutungshöhe, sondern der Pegel, ab die Sperrung der der B 172 erfolgen muss. Diese wird aber nicht am Marktplatz zuerst unpassierbar (an „Stammlerloch“ und „Kirchloch“), sondern am „Lindenhofplatz“ (durch das dort noch etwas tiefer gelegene „Kagererloch“ und „Tredeloch“). Man kommt auch noch bis Pegel 7,70 gut trockenen Fußes über die Bürgersteige des Marktplatzes. Die 7,60 sind also ein guter Mittelwert.

Blick vom Lindenhofplatz zum Basteiplatz ...

Der Stadtpark Donnerstag abend ...

Freitag, 31.03.2006

In der Nacht ist das Wasser mit 3 cm/Stunde gestiegen. Dies erscheint zwar als nicht viel, aber das Wasser steigt, steigt und steigt. Langsam, unaufhörlich, alles überflutend.

... und Freitag früh dann dieses Bild vom gleichen Aufnahmestandpunkt:

Morgennebel im überfluteten Bad Schandauer Stadtpark ...

Der Pegel Schöna zeigt um 10:15 Uhr 8,09 Meter. Damit haben wir 49 cm Wasser auf dem Markt. Noch kommt der THW-Laster die Bergmannstraße durch.

Eine große stille Wasserfläche auf dem Lindenhofplatz ...

Sonnabend, 01.04.2006

Wasserstand auf dem Markt früh 83 cm (Pegel 06:00 Uhr 8,43),
weiteres Steigen bis abend auf 91 cm (Pegel 16:15 Uhr 8,51).

Sonntag, 02.04.2006

Das schlimme Steigen hat aufgehört. Gleichbleibender Scheitelwasserstand. Nur unwesentlicher Anstieg von 8,51 m (0:00 Uhr) auf 8,55 m (18:00 Uhr). Die Warnung des Landeshochwasserzentrums besteht aber fast ungemindert weiter.

Montag, 03.04.2006

Banges Abwerten und nochmaliger langsamer Anstieg um 33 cm. Am Montag abend um 23:00 Uhr ist der Hochwasserscheitel mit 8,88 m Schönaer Pegel erreicht. Das Wasser steht 1,28 Meter hoch auf dem Bad Schandauer Markt.

Das sind etwa 3 Meter weniger als 2002, aber immernoch 6,78 Meter über dem Mittelwasser der Elbe.

Der Pegelhöchststand am Bad Schandauer Rathaus:

Die Stadt von der Elbbrücke aus ...

Blick zur Carolabrücke nach Westen

Bis Freitag wird es noch dauern, bis die Stadt wieder weitgehend wasserfrei ist. Ein sehr hohes Hochwasser, was auch sehr lange stand. Aber keine Naturkatastrophe wie am 16. August 2002.

Grobe Schätzung: Derart hohe Wasserstände hatten wir in den 1920er Jahren, 1940 und 1941, dann erst wieder 2002 und nun, 2006.

Ein 20-Jahres-Hochwasser. Rein statistisch wieder zu erwarten: Etwa im Jahr 2027.

Pegelstände

Pegel Schöna Mi. 29.03. 15:00 Uhr 6,63 m,
Pegel Schöna Mi. 29.03. 21:00 Uhr 6,92 m,
Pegel Schöna Do. 30.03. 05:00 Uhr 7,13 m,
Pegel Schöna Do. 30.03. 13:00 Uhr 7,34 m,
Pegel Schöna Do. 30.03. 20:30 Uhr 7,61 m,
Pegel Schöna Fr. 31.03. 05:30 Uhr 7,85 m,
Pegel Schöna Fr. 31.03. 10:15 Uhr 8,09 m,
Pegel Schöna Fr. 31.03. 17:00 Uhr 8,24 m,
Pegel Schöna Sa. 01.04. 06:00 Uhr 8,46 m oder 8,43 m (selber reingehört/gemeldet),
Pegel Schöna Sa. 01.04. 16:15 Uhr 8,51 m,
Pegel Schöna So. 02.04. 12:00 Uhr 8,51 m,
Pegel Schöna So. 02.04. 18:00 Uhr 8,55 m,
Pegel Schöna Mo. 03.04. 05:30 Uhr 8,73 m,
Pegel Schöna Mo. 03.04. 10:30 Uhr 8,79 m,
Pegel Schöna Mo. 03.04. 23:00 Uhr 8,88 m.


Many thanks

Von großem Vorteil war, dass (auch im Gegensatz zu 2002) sehr gute Hochwasserprognosen vorlagen. Die Vorhersagen des sächsischen Landeshochwasserzentrums http://www.umwelt.sachsen.de/de/wu/umwelt/lfug/lfug-internet/wasser_4498.html * waren sehr genau. Es wurden Werte zwischen 8,60 m und 9,15 m prognostiziert, teilweise 5 Tage im voraus (!). 8,88 m waren es dann. Hierfür herzlichen Dank.

Von sehr großem Wert war aber vor allem die tschechischen Seite http://www.pla.cz/portal/sap/de/index.htm, * die die Wasserstände und Durchflussmengen aller größeren tschechischen Flüsse anzeigt.

Many thanks from Zandovské Lazne to the Povodí Vltavy, státní podnik, MGE Data s.r.o. and the Czech Hydrometeorological Institut.

* Diese Links unterliegen nicht der Laufendhaltung.


Nachtrag 12.03.2011.

Abgleich aller Datumsangaben in den Original-Bilddateien mit Pegelständen und 2011er Hochwassererfahrungen. Dabei war die Stadtparküberflutung offenbar einen Tag nach vorn zu datieren: Die Stadtparküberflutung erfolgt „vom Siglsloch“ kommend etwa zeitgleich mit der Marktüberflutung. Das in den Text angegebene Datum ist nun korrekt. Das Datum im Dateinamen ist manchmal einen Tag später angegeben.

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