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Einmessung des Hochwassers in Bad Schandau

Weil sich allmählich die Spuren der Flut verlieren, haben wir im Januar 2003 den Hochwasserstand an den noch sichtbaren Spuren eingemessen.

Wie hoch stand das Wasser über Normal? Was ist eigentlich normal? War das Hochwasser vom 16./17. August 2002 höher oder das Hochwasser vom 31. März 1845?

Der Höhenanschluss

Die Markthöhe: Die HN-Höhe des Bad Schandauer Marktes gibt ganz gut ein kleiner Eisennagel im Pflaster 3 m neben dem Fußgängerüberweg schräg gegenüber der Bäckerei Schurz an. Er hat die Höhe 121,695 m über HN. Ein Höhenanschluss zu dem am Hotel zur Krone befindlichen Höhenbolzen bestätigt, dass die Höhe stimmt.

Wie hoch stand das Wasser in der Kirche?

Als Anschlusspunkt wurde die oberste Stufe hinter dem Hauptportal eingemessen mit 122,502 m über HN. Der Wasserspiegel in der Kirche hat sich an mehreren Stellen im Westschiff sehr gut abgezeichnet. Messwert 125,976 m über HN ± 3 mm. Die Höhe des Kirchenfußbodens im Westschiff ergab aus mehreren Messungen(122,515/,507/,512/,513) im Mittel 122,512 m über HN. Somit ergibt sich die Wasserspiegelhöhe in der Kirche über Fußboden mit 3,46 Meter

Wie hoch stand das Wasser auf dem Markt?

Eingemessen wurde der Hochwasserspiegel an der Bäckerei Schurz mit 125,973 m über HN, am Pfarrhaus mit 125,997 m. Abzüglich Markthöhe ergibt sich, dass das Wasser 4,28 Meter hoch auf dem Markt gestanden hat.

Am Lindenhofplatz (dies ist die tiefste Stelle der Bad Schandauer Innenstadt) wurden 4,58 m (Haus Trede) und 4,40 m (Haus Kagerer) Wasserhöhe über Grund festgestellt.

Die Höhe des Elbpegels ...

Der Bad Schandauer Elbpegel befindet sich am Westende des Elbkais. Die Höhe ...

... ist mit 114,080 m angeschrieben.

Aber Achtung: Dies ist eine NN-Höhe (Geoidhöhe), alle anderen Angaben sind HN-Höhen (Quasigeoidhöhen). Die praktische (nicht ganz vermessungsprofessorfeste) Faustregel NN=HN+0,128 erwies sich aber als brauchbar. Eine trigonometrische Höhenübertragung vom Markt ergab 114,077 m NN, also nur einen Fehler von 3 mm.

Wie hoch stand die Elbe über Normal?

Das Mittelwasser   des Bad Schandauer Elbpegel ist, wie das WSA Dresden freundlicherweise mitteilte, 1995 mit 2,10 m festgestellt worden. Dies entspricht einer Wasserspiegelhöhe von 116,050 Meter über HN am Pegel.

Zu beachten ist allerdings auch, dass der Elbspiegel nicht genau waagerecht ist, sondern ein Gefälle von ...

... etwa 0,3 Promille aufweist. Weil sich der Pegel etwa 500 m stromab des Marktes befindet, müssen noch etwa 14 bis 16 cm abgezogen werden.

Mit 125,98 m stand das Wasser in der Kirche 9,93 m über Mittelwasser. Abzüglich 15 cm ergibt sich, dass das Hochwasser in Bad Schandau 9,78 über Mittelwasser gestanden hat.

Wie fällt der Vergleich mit dem Hochwasser von 1845 aus?

In der Innenstadt gibt es zwei Hochwasservermarkungen, einmal in der Kirche und einmal am Haus Wahode in der Bergmannstraße. Vergleichsmessungen ergaben, dass beide Marken aus etwa ± 1 cm übereinstimmen. Am 10. November 2003 wurde eine entsprechende Marke in der Kirche nach der sichtbaren Wasserspur angebracht. Hier ist klar erkennbar, dass das Hochwasser 1845 4 cm höher als 2002 gestanden hat.

Allerdings variiert die Differenz 1845 - 2002 entlang der Elbe. Hier einige Angaben des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) Dresden:

• Wasserstand in Höhe Werft Postelwitz: 2002 4 cm über 1845

• Wasserstand in Höhe Parkhotel: Gleicher Stand 2002 und 1845

• Wasserstand in Höhe Kirche: 4 cm unter 1845

• Wasserstand in Höhe Nationalparkverwaltung: 2002 6 cm unter 1845

Wie lässt sich der Elbe-Wasserstand in Bad Schandau voraussagen?

Ein große Ungewissheit bestand darin, dass es in der Hochwasserwoche im August 2002 vor Ort keinerlei auch nur ungefähre Voraussagen gab, wie hoch denn nun der zu erwartende Hochwasserscheitel ausfallen könnte. Es gab Voraussagen im Bereich von 9 bis 13 Metern (10 m waren es dann).

Der Schönaer Pegel wird unter der Telefonnummer 025028 19429 angesagt. Dies ist allerdings wenig aussagefähig, den Schöna liegt nur 8 km stromauf.

Besser ist die Kenntnis tschechischer Pegel. Eine alte Bad Schandauer Volksweisheit besagt, dass der Bad Schandauer Pegel ungefähr dem Pegel von Usti nad Labem von vor 6 Stunden entspricht. Vergleiche der Aussiger, Schönaer, Schandauer und Dresdner Pegelhöhen, Mittelwasserfixierungen und Wasserstände vom 16. August 2002 und 6. Januar 2003 ergaben, das dies ungefähr stimmt.

Auf Usti umgerechnet ergibt sich eine Überflutung des Bad Schandauer Marktes bei 7,90 m Aussiger Pegel. Zur Sicherheit sollten noch etwa 30 cm Reserve eingerechnet werden, d. h. das Wasser kann in Schandau durchaus auch 30 cm höher stehen.

Hier die tschechischen Pegelstände: www.chmu.cz.hydro/SRZ04.html. Mit den Angaben unter Predpoved (Vorhersage) lässt sich der Schandauer Wasserstand 1 bis 2 Tage im voraus ungefähr abschätzen.

Pegel weiter stomab vom Sächsischen Landesamt für Umwelt und Geologie.

* * *

Nachtrag 24.02.2008: Der Elbpegel am Westende des Elbkais ist demontiert worden. Das ist ein wenig schade, denn nun kommt man ohne Telefon und Internet nicht mehr an eine Wasserstandsmeldung heran. Klar, den Pegel anrufen oder Internet nachsehen ist einfacher und bequemer. Was ist aber, wenn der Strom weg ist? Bei einem Hochwasser zum Beispiel?


Im Gegensatz zum den Fluten, die am 12./13. August 2002 vom Erzgebirskamm herunterstürzten, hatte das Elbehochwasser einen ganz anderen Charakter. Es war eine unheimlich große, trügerisch friedliche Wassermasse, die vier Tage lang völlig unaufhaltsam immer weiter anstieg, kaum etwas mitriss, aber alles ersäufte.

Es sind vielfach Vermutungen von Wasserspiegelschwankungen durch Wellen oder Strömungen im Dezimeterbereich geäußert worden. Für diese ergaben die Messungen keine Anhaltspunkte. In erster Näherung kann vermutet werden, dass das Wasser nur beeinflusst von dem etwa 0,3 Promille betragenden topographischem Gefälle abfloss und sich ansonsten lokal fast im hydrostatischen Gleichgewicht befand.

Die innere Genauigkeit der Messungen wurde mit etwa ±10 mm festgestellt, im Bereich Markt Kirche noch darunter.

Probe: Im Eingangsbereich der Toskana-Therme ist an der dortigen Hochwassermarke der Wert 126,07 m angeschieben. Wir ziehen 8 cm ab, weil sich die Toskana-Therme etwa 250 m stromauf befindet und erhalten 125,99. Unser Messwert vom Markt war 125,997 (Pfarrhaus) und 129,973 (Bäckerei Schurz). Macht einen Fehler von +7 bzw. -17 mm.

Ich bedanke mich bei Frau Gräfling, Herrn Rothe, Herrn Ludolf (WSA Dresden), Frau Mitzschke (Umweltamt Dresden), Herrn Wahode, Bad Schandau, Mike Müller, Dresden und Ulf Roitzsch, Sebnitz für ihre Mitarbeit und die zur Verfügung gestellten Informationen.

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