Haupt- und Fernwege durch die Sächsische Schweiz

Der Saarschlesische (Deutscher Wanderweg Saar – Schlesien)

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Unterhalb der Latzhütte

Für Historio-Wanderer

Vorläufer des blauen Striches. Vor Sebnitz und zwischen Schrammsteinbaude und Tiefem Grund mit davon abweichender Wegführung. Wird gern mit der Kammweglinie vor 1945 verwechselt, was aber falsch ist. Der Kammweg ging früher durchs Böhmische, der Saarschlesische Wanderweg durchquert hingegen schon immer den Elbsandstein auf deutscher Seite.

Verlauf:

Karte saarschlesischer Wanderweg, Variante I

I. Ur-Weglinie, 1928 bis 1936: Niedereinsiedel - Sebnitz - Tanzplan - Diebsstraße - Wachberg - Hinterhermsdorf - Obere Schleuse - Großer Winterberg - Schrammsteinbaude - Postelwitz - Bad Schandau - Lachsbachtal - Tiefer Grund - Brand - Hohnstein - Rathen - Lilienstein - Königstein - Bielatal - Rosenthaler Straße - Markersbach - Augustusberg. Weiter ins Osterzgebirge führend. Quelle ist mein Wegkartenheft, das ich dank Dietmar Eichhorn auf 1928 datieren konnte.

II. Valtenberg-Linie, 1936 bis 1938: Neustadt - Unger - Gerstenberg - Sebnitz - Ottendorf - Großstein - Felsenmühle - Heringsloch - Großer Winterberg - Gratweg - Zahnsgrund - Postelwitz - Bad Schandau - Wendischfähre - Prossen - Lilienstein - Königstein - Bielatal ... Quelle: Über Berg und Thal, 1936, mitgeteilt von Ernst Tauer, Sebnitz (s. Bild unten). Eine sehr interessante Weglinie, in der die beiden großen Schlenker der Ur-Weglinie, der „Rathewalde-Schlenker“ und der „Obere Schleuse-Schlenker“, begradigt sind. Die Tschechland-Umgehung Sebnitz - Unger - Neustadt - Hohwald ist also keine Nachkriegserfindung, vielmehr wurde der Weg bereits 1936 auf die deutsche Seite verlegt – es fragt sich nur, warum? Dieses Rätsel wurde 2020 durch einen Quellenfund von Dietmar Eichhorn gelöst. Laut Grenzland Nr. 2, 1937 (s. u.) hatte die mehrfache Reichsgrenzenquerung des Weges „eine Benutzung desselben im Braunhemd und Dienstanzug zu einer Unmöglichkeit gemacht“.

Geschichtlicher Exkurs: Aha, da haben die also schon 1936 mit paramilitärischen Wandermärschen „in den Sudetengau“ die Aggresssion vorweggenommen. Moment, so steht das nicht in der Quelle. Das durchaus aufwändige Zurücknehmen des Saarschlesischen nach Deutschland ist ein Zeichen des Zurückweichens und der Abgrenzung, keinesfalls ein „Griff nach dem Sudetengau“. Vielleicht steckt da etwas anderes dahinter? Dass es da noch so ein paar anpasserliche (ex Wandervogel und am Ende noch mit den Edelweißpiraten sympathisierende) Leute gegeben haben mag? HJ war ja vielleicht gerade noch hinnehmbar, zumindest solange die da blos gewandert sind. Aber musste es denn immer in dieser aufdringlichen Klammottage sein? Wenn da deine Kinder schon zu der HJ mussten, dann gefälligst auch mal in Zivil. Was man womöglich geschickt mit Wandern ins Tschechische bewerkstelligen konnte, wo doch da das „Braunhemd und der Dienstanzug eine Unmöglichkeit“ darstellte. Und da sollte die Weglinienverlegung erstmal diesen Sumpf austrocknen.

III. „Kriegs-Linie“, 1938 bis 1945: 1938 wurde der Weg wieder von Niedereinsiedel kommend nach Sebnitz hinübergeführt. Die Valtenberg-Linie war also wieder fallen gelassen worden (Mitt. Dietmar Eichhorn). Auch die Begradigung des „Obere-Schleuse-Schlenkers“ über Ottendorf und Großstein war wieder zurückgenommen worden, allerdings führte man den Weg nun statt über die Diebsstraße auf dem neu geschaffenen Alfred-Meiche-Weg zum Wachberg. – Diese Wegführung zeigen die Messtischblätter Sebnitz und Königstein 1944 und die Meinhold-Karte Elbsandsteingebirge 1:50000 von 1940. Auch der „Rathewalde-Schlenker“ ist in der Messtischblatt-Linie wieder enthalten. Das benachbarte Messtischblatt Großschönau zeigt hingegen die alte (tschechische) Diebsstraßenlinie (Randanpassungsfehler im RAfLA).

IV. Wegführung nach 1945: Mit Grenzschließung und Vertreibung 1945 fiel der Weg „quasi automatisch“ auf die Valtenberg-Linie zurück.

V. DDR-Wegführung: Vor 1970 wurde der Weg von Schrammsteinbaude bis Lachsbachbeginn von der Straße heruntergenommen und auf die Linie Ostrau - Ostrauer Brücke - Grauer Graben - Kohlmühle - Sebnitztal gelegt. (Nachweis Wanderkarte Sächsische Schweiz 1:30000, Landkartenverlag, Druck mit Vermerk „4/25/70“ genehmigt 1970). Diese Weglinie wurde mit Beschluss Kulturbund vom 17.02.1986 auf den blauen Strich ummarkiert.

VI. Weglinie 2014: Auf Anregung von Hartmut Landgraf wurde der Weg 2014 zwischen Schweizermühle und Bernhardstein von der Bielatalstraße weg auf eine weiter östlich gelegene Linie („Eisenstraße“) verlegt.

Als Gesamtlinie des Saarschlesischen wird 1936 überliefert: Saarbrücken - Trier - Hunsrück - Bacherach - Rhein - Taunus - Vogelsberg - Rhön - Thüringerwald - Frankenwald - Fichtelgebirge - Vogtland - Erzgebirge - Sächsische Schweiz - Oberlausitzer Bergland - Isergebirge - Riesengebirge - Waldenburger Bergland - Eulengebirge - Glatzer Gebirge - Neiße - Ziegenhals - Neustadt in Schlesien - Heydebrek - St.-Anna-Berg.


Geschichte (nach Dietmar Eichhorn): Ein sehr früh markierter Wanderweg, dessen Zeichen, das blaue Andreaskreuz , seinen Ursprung im Höhenweg I des Erzgebirges von 1914 hat. Vorüberlegungen zu einem Saar-Schlesien-Weg in der Sächsischen Schweiz gab es erstmalig etwa 1923, tatsächlich taucht der Weg im Elbsandstein ab 1928 auf. 1929 beschäftigte sich der Wandertag in Königstein mit dem Projekt (Über Berg und Tal 1929). 1936 erfolgte unter Leitung des Gebirgsvereins für die Sächsische Schweiz die Ausweisung durch ganz Deutschland. Oberlausitz und Erzgebirge wurde dann sofort mit eingebunden. Der Weg ist also ein Deutschland-Wanderweg, der seine Wurzeln im Elbsandstein hat. 1936 Valtenberg-Linie, 1938 „Kriegs-Linie“, ab 1945 heutige Wegführung mit den beiden kleineren Korrekturen IV. zu V. und VI. (s. o.)

Nach 1945 war die offizielle Bezeichnung „Deutscher West-Ost-Wanderweg Saar – Schlesien“ in Ostdeutschland nicht mehr opportun. In den 1950er Jahren (als die innerdeutsche Grenze kam) wurde die Strecke ab Zittau über Eisenach nach Wernigerode fortgeführt. Fortan lief der Weg also unter der Bezeichnung Hauptwanderweg Zittau – Wernigerode. Die Markierung wurde beibehalten, so dass der Weg in Insiderkreisen als „der Saarschlesische“ fortleben konnte. In den 1980er Jahren erfolgte eine fundamentale Wegemarkenbereinigung im Zuge einer grenzübergreifenden tschechisch-polnisch-ostdeutschen Wegemarkenharmonisierung (erste Spuren etwa 1982, umfassende Diskussion 1984/1985, entgültiger Beschluss laut einem Protokoll Kulturbund 17.02.1986). Dabei ist das durch den (siehe hier) ersetzt worden.

Im Bereich der ehemaligen DDR-Bezirke Erfurt und Halle hat sich das Zeichen bis heute erhalten.

Ebenso gibt es den Weg nach wie vor in Franken. Er führt dort z. B. durch Coburg, Mitwitz, Hohe Warte, Selb, Rehau und ist dort auch stilecht mit der Wegemarke bezeichnet. Ebenso wird mitgeteilt, dass es den Weg noch von Saarbrücken bis zum Grenzdreieck Sachsen/Böhmen/Bayern geben soll.

Hier ein Andreaskreuz-Schild am Museum Butzbach in Hessen:

Andreaskreuz am Museum Butzbach in Hessen (Bild: Walter Großer, Kurort Gohrisch) Altes Wegzeichen in Butzbach/Hessen (Bild: Walter Großer, Kurort Gohrisch)

Der Verlauf durch den Böhmerwald erscheint zunächst als Rätsel, doch die Lösung ist einfach: Das Schild gibt den westdeutschen Nachkriegsstand wieder. Während man in der DDR den durch die Mauer abgeschnittenen Weg nach Norden bis Wernigerode verlängert hat, wurde ihm im Westen ein in den Böhmerwald führender Südabschnitt hinzugefügt.


Träger: Gebirgsverein für die Sächsische Schweiz, Kulturbund der DDR.

Wegemarke:

Altmarke bis 1982 ... 1986

Signatur Böhm-Wanderkarten: Altweg ohne Geländemarkierung, daher auch keine Kartendarstellung. Ähnlich, wie die alten Wegemeister trauere ich aber der im Elbsandstein verschwundenen Wegmarkierung nach. Als kleines Andenken findet sich hier und dort noch ein einsames -Zeichen auf meinen Karten - oft an Stellen, an denen auch in der Natur noch ein verblichenes blaues Andreaskreuz zu finden ist.

Wikipedia: Kein Eintrag.

Webseite: Kein Eintrag.

Quellen: Wegekartenheft. Gebirgsverein für die Sächs. Schweiz (1928).
Reprint-Messtischblätter des Landesvermessungsamtes Sachsen (GeoSN), Ausgabe 1944. Hier ist der Saarschlesische Wanderweg mit kleinen blauen Andreaskreuzen markiert und lässt sich so ausgezeichnet rekonstruieren.
Über Berg und Tal 1929.
Mitteilungen des Gebirgsvereins für die Sächsische Schweiz 1936 (s. u.)
Grenzland Oberlausitz Nr. 2, 1937 (s. u.)
Ernst Tauer, Sebnitz, 2011.
Dietmar Eichhorn, Leutersdorf, 2012, 2017, 2020.


Isaak Gregor Scherz, Königstein hat am 08.04.2016 eine alte Wegemarke des „Saarschlesischen“ entdeckt, unterhalb der Tourist-Info am Reißiger Platz in Königstein:

Unterhalb der Latzhütte

Die alte Wegemarke ist ein etwa 40 Jahre alter Schatz. Einfach mal hinwandern, da braucht es keine Geocaches mehr. Und, liebe Königsteiner, blos nicht überpinseln! Ich bedanke mich herzlich bei Isaak Scherz für die Mitteilung. Zwei weitere Wegemarken gibt es übrigens, wenn man zur Festung hochgeht, etwas unterhalb der Latzhütte.


Dokumentiert

Der Saarschlesische 1936 (E. Tauer):

Wegbeschreibung 1936

Grenzland Oberlausitz Nr. 2, 1937 (D. Eichhorn 2020):

Aus „Grenzland Oberlausitz“ 1937

Ich bedanke mich herzlich bei Ernst Tauer, Sebnitz und Dietmar Eichhorn, Leutersdorf für die vielen übermittelten Informationen zur Geschichte des Weges.

12.02.2012 Durchsicht
12.10.2012 Bild Butzbach ergänzt. Herzlichen Dank an Walter Großer
24.10.2012 Neuer Kenntnisstand von Dietmar Eichhorn mitgeteilt
08.04.2016 Wegemarke Königstein von Isaak Scherz mitgeteilt
18.02.2017 Mail Dietmar Eichhorn vom 28.10.2017 eingearbeitet
21.11.2018 Datierung DDR-Wegeummarkierung nach tel. Mitt. „1982 bis 1986“ auf 1982
24.04.2019 Datierung DDR-Wegeummarkierung (Dietmar Eichhorn): Diskussionsstand 1984/85; Beschluss 17.02.1986 (Sitzungsprotokoll Kulturbund)
15.08.2019 Responsiviert
02.11.2020 Mitt. Dietmar Eichhorn, Grenzland 1937 eingearbeitet

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