Wenn in einer Karte die Meridiane gleichabständige parallele
Linien sind, so hat man einen Zylinderentwurf vorliegen,
genauer gesagt, einen Zylinderentwurf in normaler oder
polständiger Lage. Hierbei fallen Erd- und Zylinderachse zusammen.
Wenn man nun die Parallelkreise in ihrem Abstand von der
Äquatorebene anordnet, ergibt sich folgendes Bild:
Das Bild bessert sich etwas, wenn der Zylinder die Erde nicht am
Äquator berührt, sondern in zwei Parallelkreisen schneidet, hier
bei je 40°.
Ein Entwurf, der nicht völlig unbrauchbar ist und für gewisse
Aufgaben durchaus eingesetzt werden kann.
Allerdings wurde eine Variante des Netzes als „Peters-Projektion“
1974 von dem Geographen Arno Peters
„neu erfunden“ und
als vermeintlich allerbeste Projektion aller Zeiten mit einigem
Erfolg empfohlen und publiziert.
Dieses Scharlataneriestück der Kartennetzentwurfslehre hat unter
den Kartographen viel Kopfschütteln verursacht
dem Ruf des Entwurfes sehr geschadet.
Einfach Meridiane und Parallelkreise in einem Quadratnetz
anordnen und man erhält den einfachsten Netzentwurf, den es
überhaupt gibt: den abstandstreuen Zylinderentwurf.
Der Entwurf war schon im Altertum bekannt und erlebt als
„geographische Projektion“ eine gewisse Computer-Renaissance.
Er ist gewissermaßen eine „natürliche Projektion“: X=geographische
Länge, Y=geographische Breite. Auch als quadratische Plattkarte bezeichnet.
[Nr. 6 im Wagner]
Die quadratische Plattkarte hat ein Geschwisterkind, die rechteckige
Plattkarte. Wie bei den flächentreuen Entwürfen lassen sich die
Verzerrungen in Polnähe (zuungunsten des bisher verzerrungsfreien
Äquators mildern), wenn man an Stelle des längentreuen
Äquators 2 längentreue Parallelkreise wählt:
Hier ein Entwurf, bei dem die Breite 40° (Nord und Süd)
längentreu ist. [Wagner: Entwurf 7]
Winkeltreuer Zylinderentwurf (Mercatorprojektion)
Das Netz der Seekarten
Was ist nun mit dem winkeltreuen Zylinder? Der winkeltreue
Zylinderentwurf in polständiger Lage ist ein Klassiker:
Die Mercatorprojektion ...
Weil einzig auf der Mercatorkarte ein Schiff mit konstantem
Kurs eine Gerade entlangfährt, ist dies der Entwurf
fast aller Seekarten, die es gibt.
Die Mercatorkarte ist theoretisch unendlich „hoch“. Je mehr man nach
Norden und Süden kommt, desto mehr nähert man sich dem Pol an, ohne diesen
allerdings jemals zu erreichen.
Die klassische Schulmeisterkritik an Old Mercator lautet: Grönland ist ja
so groß wie Afrika. Dafür stimmen aber die Formen.
Mercator hat den Entwurf 1569 veröffentlicht und wenn er seinen
Namen nicht zu Mercator lateinisiert, sondern es beim deutschen
Gerhard Kremer gelassen hätte, hieße heute das UTM-Meldegitter der
Natokarten nicht UTM-Gitter, sondern UTK-Gitter.
[Wagner: Entwurf 10]
Querachsiger winkeltreuer Zylinderentwurf
Die Gauß-Krüger-Projektion
UTM heißt Universal Transversal Mercator. Transversal heißt Drehung
der Zylinderachse um 90°. Ansonsten bleibt es beim Mercator. 2 (vom Ansatz her
identische) Versionen sind implementiert:
Variante I mit Inversprogramm Zylinder in freier Lage gerechnet
Variante II mit der direkten Spezialimplementation direct_cyt1_cylinder_transversal_mercator.rta
gerechnet. Diese blendet die „Zylinderrückseite“ aus.
Ein ungewohntes Weltbild. Und doch der Netzentwurf von 99.99 % aller Landkarten der Welt.
Man betrachte weniger das Gesamt-Weltbild, als den Nullmeridian, in welchem
die Erde den Zyliner berührt. Dieser
wird nicht verzerrt. Wenn man unsere Mutter Erde nun nicht auf einen,
sondern auf 30 um je 6° leicht verdrehte Zylinder abbildet, und jeweils
nur ein kleines Gebiet in Berührungsmeridiannähe nutzt, so sind die
Verzerrungen nur gering. Man erhält so das Netz,
dass die die Landesaufnahmen der meisten Länder der Welt für ihre
topographischen Landeskartenwerke benutzen.
Der Entwurf geht (auf dem Erdellipsoid gerechnet) auf Gauß zurück. Prof. Dr. L.
Krüger, Abteilungsvorsteher im Kgl. Preuß. Geodätischen
Institut Postdam hat ihn 1912 veröffentlicht, daher auch die Bezeichnung
Gauß-Krüger-Projektion.
Zylinderentwürfe in freien Lagen
Wenn man die Erde im Zylinder um 90° drehen kann, so kann man
sie auch um jeden anderen Winkel drehen. Hier ein mögliches Ergebnis:
Nun ist zur Abwechslung einmal Australien so groß, wie
Afrika. Freie Lagen ergeben ungewöhnliche Weltbilder, aber keinesfalls
falsche Weltbilder. Die Welt wird lediglich in einer ungewöhnlich
verdrehten Lage betrachtet. Dieser Entwurf winkeltreu und derselbe wie bei der
Mercator- oder der Gauß-Krüger-Projektion.
Zylinderentwürfe in freien Lagen kann man aber auch sehr
gut einsetzen, um
langgestreckte Erd-Teilausschnitte abzubilden.
Hier drei Beispiele, die mit einer freien Lage der Erdachse in 15°N/15°O
beide Amerika sehr verzerrungsarm abbilden.
winkeltreu, abstandstreu und flächertreu: (v. l. n. r.)
Noch mehr Zylinderentwürfe ...
Dies sind längst nicht alle Zylinderentwürfe.
Echte Zylinderentwürfe haben (in polständiger Lage) parallele gerade Meridiane und
ebenfalls gerade Parallelkreise. Unterschiedliche Formeln für die Parallelkreisabstände
ergeben unterschiedliche Projektionen ...
Andere (echte) Zylinderprojektionen
Wenn man auch gekrümmte oder geknickte Meridiane zulässt, begibt man sich
auf das Feld unechter Zylinder. Derartige Entwürfe heissen auch
pseudozylindrischen Projektionen ...
Pseudozylindrische (unechte) Projektionen
Assemblerprogramme:
Polare Lagen
Flächentreuer Zylinderentwurf
Flächentreuer Zylinderentwurf mit zwei längentreuen Parallelkreisen
Abstandstreuer Zylinderentwurf (quadratische Plattkarte)
Abstandstreuer Zylinderentwurf mit zwei längentreuen Parallelkreisen (rechteckige Plattkarte)
Winkeltreuer Zylinderentwurf in polständiger Lage (Mercatorprojection)
Winkeltreuer Zylinderentwurf in querachsiger Lage (Direktprogramm)
Freie Lagen
Winkeltreuer Zylinderentwurf in freier Lage
Abstandstreuer Zylinderentwurf in freier Lage
Flächentreuer Zylinderentwurf in freier Lage