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Sternförmige Kartennetze
Stern-Weltkarten könnte man als Spielerei abtun, wären sie nicht recht umfangreich in Bertins berühmter Graphischer Semiologie zitiert. Also an die Arbeit ... Ein früher bekannter Vertreter ist der achtzackige Petermann Star aus dem Jahr 1865. Zeichnerisch ist das Bildungsgesetz des Netzes kein Problem: Die Parallelkreise werden abstandstreu, also in ihrer wahren Länge, aufgetragen. So erhalten zugleich die mehrfachen Süpole ihre Positionen, nämlich im doppelten Abstand Nordpol-Äquator vom Zentrum. Die Meridiane laufen vom Nordpol zum Äquator, knicken dort und führen weiter zu den Sternspitzen ... Den originalen Petermann Star erhält man mit Mittelmeridian 10° O. Hermann Berghaus' Berghaus Star aus dem Jahr 1879 gleicht algorithmisch dem Petermann. Berghaus wählte allerdings Zacken und Mittelmeridian 16° W: Natürlich kann man die alten Gothaer auch mit einer beliebig anderen Zackenzahl rechnen. 24 Zacken bilden z. B. jede Zeitzone in einem Segment ab ...
Als weiteres Stern-Netz ist der Bartholomew Star bekannt. Diese Projektion entsteht durch Einführung zweier Neuerungen in den Petermann-Berghaus:
a) Abbildung der Südhemisphäre in
Stab-Wernerscher oder
Bonnescher
sinusoidaler Art und
Der „klassische“ Bartholomew hat 3 Segmente, „schlitzt“ bis 23,5° N und setzt 30° W in eine Segmentmitte: Im Ergebnis finden sich je Südamerika, Afrika und Australien vergleichsweise recht verzerrungsarm auf je einem Zacken wieder. Bartholomew Star als Großbild (ca. 400 kByte)
Eines erreicht der Bartholomew Star aber nicht: Nämlich, dass der unschöne Knick der Meridiane im Grenzparallel völlig verschwindet. Dies kann durch eine Modifikation der Formel (siehe hierzu den RTA-Quelltext) erreicht werden ...
Die Zacken werden zu Blättern. Ansonsten drücken die in den Knickpunkten durch Splines gestreckten Meridiane das Netz recht breit. Eine andere Variante mit 5 Blättern, Grenzparallel 15° N und Mittelmeridian -16°:
Die Blätterzahl lässt sich beliebig steigern ... Tipp für Freunde der Differentialrechnung: Hier haben wir ein schönes Beispiel für einen ... ... mathematischen Grenzübergang.
So entartet des Sternnetz zu seiner Mutterprojektion: Dem abstandstreuen Azimutalentwurf.
Assemblerprogramme Was sich einfach Zeichnen lässt, ist programmiertechnisch gar nicht so trivial. Mit etwas Sinus-und Kosinussatz bekommt man den Knickpunkt aber „in den Griff“. Hier die Assemblerprogramme, mit denen die Sterne gerechnet wurden:
Petermann Star/Berghaus Star (Standardvariante, auf zwei Sternspitzen stehend)
Bei Carlos A. Furuti finden sich Star Projections sehr schön abgehandelt (in Englisch).
(Hausaufgabe für Studenten: Beweisen Sie, dass die Außenform eines dreizackigen Petermann Star genau ein gleichseitiges Dreieck ist.) |