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Dr. Böhms Praxis für Wanderweg-Heilkunde

Die Multisignaturitis

Wanderwegeklinik-Hauptseite
Vorhergehendes Symptom: Unidirectionalitis
Nächstes Symptom: Supersignaturitis

Einbahnstraße

Deutsche Krankheitsbezeichnung: Übermäßige Weg-Mehrfachmarkierung

Darf es noch eine Wegemarke mehr sein?

Symptomatik: Bei der Multisignaturitis handelt es sich um ein Übermaß von Wegemarkierungen. Die Wegemarkierung entartet vom Leitsystem zum Verwirrsystem.

Pathologie: Für jeden Wanderer ist es höchster Genuss, auf einem klar und stylish ausmarkierten oder entlangzuwandern. Auch zwei Wegemarken auf einem Weg sind reizvoll und akzeptabel.

Wenn ein Weg aber erst drei oder noch mehr Wegemarken trägt, kippt das System. Wenn man auf kommt, dann auf abbiegt, um schließlich auf zu wechseln. Hm, Hoppla. War das nun der , der oder der ? Oder der , der oder der ?

Dann doch lieber Enigma-Codes entschlüsseln.

Multisignaturitis
Eine fast reinrassige Multisignaturits, Bad Schandau, am Hotel Lindenhof.

Ursächlich für die Multisignaturitis kann ein gewisses Rangordnungsstreben unter den Wandergebieten vermutet werden. Lediglich vermeintliche Neben-Wandergebiete markieren ihre Wege nicht aus. Zu einem richtigen Haupt-Wandergebiet gehören Wegemarken einfach dazu und das ist dann der Einstieg in den positiven Regelkreis „je mehr desto besser“. Die Nachbargemeinde will mitziehen, und schnell ist das entsprechende Förderprogramm ausgepetzt: Dann ist die Multisignaturitis hochinfektiös und schnell ansteckend! Mitunter kommt es zu jahrelangen Akkumulationsprozessen. Weiterhin ist gelegentlich eine gewisse Routine und Betriebsblindheit örtlicher Wegemarkierer (die evtl. gern Wegweiser in Eigenregie herstellen) einer Multisignaturitis zuträglich.

Multisignaturitis
Alle Wege führen nach Rom. Ein semantisch fast völlig leerer Wegweiser in Hinterhermsdorf: Zu fast allen Wanderzielen geht es links lang. Okay, aber wozu braucht man überhaupt noch eine Wegemarke? Entdeckt von Arndt Noack, Dresden.

In Großschutzgebieten bilden Besucherlenkung und Multisignaturitis eine Symbiose. Von multisignaturierten Wegen geht nämlich die Botschaft aus, dass auf nichtmarkierten Wegen eher nicht zu wandern ist. Immerhin erzeugt exemplarisch das strenge Wegegebot in der Kernzone des Nationalparkes Sächsische Schweiz einen deutlichen Multisignaturitis-Totalitaritis-Symptomkomplex. Im Nationalpark Harz tritt zusätzlich das Brocken-Asphaltstraßen-Syndrom hinzu.

Abgrenzung zur Supersignaturitis: Multisignaturitis nicht mit Supersignaturitis verwechseln, die ebenso, wie die Multisignaturitis mit einem Übermaß an Wege-Kennzeichnungen aufwartet. Der Unterschied liegt in der Rangordnungshöhe der Markierungen. In der Multisignaturitis treten nur rangordnungsgleiche (oder zumindest rangordnungsnahe) Wegemarken miteinander in Konkurrenz. Die Supersignaturitis zeichnet sich durch das Auftreten rangordnungshöherer Wegemarken aus. Es handelt sich bei der Supersignaturitis um ein Spätstadium der Multisignaturitis.

Abgrenzung zur Polycompetencitis: Eine nahe Verwandtschaft besteht außerdem mit der Polycompetencitis, die ebenso, wie Multi- und Supersignaturitis mit zu vielen Wege-Kennzeichnungen Verwirrung zu stiften pflegt. Der Unterschied liegt in der der Anzahl der Markierungs-Antriebskräfte. Bei den Signaturitien handelt es sich um monokausale Symptomkomplexe, die in der Regel nur die typischen Wegemarken der Wanderwege ausprägen. Bei der Polycompetencitis hingegen treffen mehrere Beschilderungsantriebe („polykausal“) aufeinander, also z. B. Wegemarken, Radwegemarkierungen, Barfußpfade, Klettersteige, Erlebnisareal-Wege, Reitwegausweisungen, Straßenschilder, Verkehrsschilder, Kurterrainwege, Hotelleitsysteme etc. pp.

Therapie: Erst einmal ausgebrochen ist der Multisignaturitis, ähnlich der Totalitaritis schwer beizukommen. Vorbeugen ist besser, als Heilen. Frühsymptome ernst nehmen und ggf. in Keim ersticken. Ein nicht zu unterschätzendes Prophylaktikum ist das Unterlassen jeglicher Begeisterung, wenn in einem Gemeinderat, einem Wanderverein oder einem Tourismus-Gremium irgendjemand den Vorschlag machen sollte, dass man etwa „ein Wandergebiet sei“ und deshalb „einen Weg mit einer Markierung“ versehen wölle. Vorsicht: Solche Vorschläge sind eine typische Einstichstelle für eine Multisignaturitis-Infektion!

Leute, Wandergebiete gibt es massenhaft und vor allem genügend, die mit Multisignaturitis infiziert sind.

Anmerkung: Nicht immer muss eine Multisignaturitis pathologisch sein. Es ist normal, dass an Haupt-Sehenswürdigkeiten, in Kurorten und an Wanderknotenpunkten mehrere Wegemarken aufeinandertreffen. Nur ist gerade dann ein besonderes Fingerspitzengefühl vonnöten, klare Weglinien, fremdgetestete Orientierungshilfen, der Blick über den Tellerrand, rasche Entflechtung. Brutal durchmarkiert kommt es gerade dann zur Verwirrungsballung und drohender Entartung zur Supersignaturitis – das nächste Thema.

Nächstes Symptom: Supersignaturitis


18.06.2012, 18.03.2013, 10.01.2014, 14.01.2014, 05.02.2014

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