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Dr. Böhms Praxis für Wanderweg-Heilkunde

Damit unsere Wanderwege immer gesund bleiben

Diese Seiten sind auch als Printpublikation (A4, 24 Seiten, zahlreiche Abbildungen) erhältlich. Auf Grund des speziellen Themas ist es aber nur eine ganz kleine Auflage, die es nicht lohnt in den Shop aufzunehmen (was dann bis hoch zu Amazon gehen würde und einen Heidenkotau an Subbürokratie verursachen würde). Das Heft ist hier zu Fuß bestellbar, da bitte alles reinschreiben, wir liefern kurzfristig, solange Vorrat reicht, Preis 5,80 €, zzgl. 4,00 € Porto.

Überblick

Es gibt die folgenden Wegekrankheiten:

Zum Geleit

Auch wenn hier viel über Krankheiten geredet werden wird, vorab die gute Nachricht: Unsere Wege sind nicht krank, sondern erfreuen sich überwiegend einer recht guten Gesundheit.

Den Wegen geht es aber wie den Menschen. Wege sind nämlich Lebewesen. Und deshalb können auch sie krank werden. Ebenso, wie wir Menschen können sich auch Wege mit Krankheitserregern infizieren, Symptome ausbilden, krank werden. Gegen manche Krankheiten gibt es, wie wir sehen werden, Medikamente, andere Krankheiten sind kaum behandelbar, häufig ist aber Prophylaxe möglich. Wege können an Krankheiten sterben.

Doch in Grunde haben Wege eine robuste Natur und ein starkes Immunsystem, so dass sie viele Krankheiten mit ihren Selbstheilungskräften überwinden können. Wege erreichen schnell ein Alter von mehreren hundert Jahren, sie können sogar tausend Jahre alt und älter werden. Wir müssen lediglich ein wenig auf ihre Gesundheit achten und dürfen sie nicht tot machen.


Die Asphaltitis

Deutsche Krankheitsbezeichnung: Asphaltdeckensyndrom

Das Asphaltdeckenwandern gilt dem Wandervolk zu recht als Graus. Insbesondere am Straßenrand.

Gesund: Ein Wanderweg ist am besten ein Pfad, ein Fußweg oder ein Feld- oder Waldweg, leicht unterhaltener Fahrweg geht auch noch, aber ...

Pathologischer Fall: ... mit dem asphaltierten Stadtparkweg fängt es an und mit der Staatsstraße S81 hört es auf ...

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Schlaengelitis

Deutsche Krankheitsbezeichnung: Schlängelwegebildung

Eine pathologische Schlaengelitis liegt vor, wenn ein Weg nicht einigermaßen gerade seinem Ziel zustrebt, sondern in künstlicher Wegverlängerung mit vielen Haken und Windungen durch die Landschaft führt.

Gesund: Zu einer perfekten Wanderdramaturgie gehört eine ordentliche Weglinie. Man will vorankommen.

Pathologisch: Der Weg schlängelt und mäandriert, macht Umwege und schlägt Haken. Schlimmstenfalls entartet die Wanderung zu einer Art fußläufiger „Beschäftigung in der Fläche“.

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Die Circularitis

Deutsche Krankheitsbezeichnung: Rundwegebildung

Circularitis ist das Pflegen des Rundwander-Kulturgutes. Dies sowohl im Ausweisen von Rundwanderwegen, als auch im Rundwandern selbst.

Möglich: Rundwanderungen sind eine mögliche Form des Abendspaziergangs „rund ums Dorf“.

Pathologisch: Der Wanderer wandert um ein Ziel zu erreichen. Rundwanderungen tragen immer den Verdacht des Pathologischen in sich. Mir persönlich geht dieses Voltigieren an der Longe völlig ab ...

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Die Lehrpfaditis

Deutsche Krankheitsbezeichnung: Die übermäßige Lehrpfadausprägung

Richtig: Lehrpfade sind hilfreich, wenn den Wanderer belehrt werden will und wenn die Lehrpfadtafel wirklich Interessantes mitzuteilen hat.

Pathologisch wird es dann, wenn der Lehrpfad zum Selbstzweck entartet. Das ist häufiger der Fall, als man denkt. Besondere Subausprägungen sind die überinformierende und die unterinformierende Lehrpfadtafel.

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Die Tripelitis

Deutsche Krankheitsbezeichnung: Abzweigausmarkierung oder Tripelpunktbildung

Tripelpunkte sind Wegabzweigungen, an denen eine Markierung in drei Richtungen weiterführt.

Gesund: Nur ausnahmsweise kann eine singuläre Markenabzweigung ein Zeichen von Gesundheit sein, in ganz seltenen Fällen.

Pathologisch: Schon in kleinen Stückzahlen verwirren Tripelpunkte ungeheuer. Übrigens auch und insbesondere beim Kartenlesen.

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Der Infarkt

Deutsche Krankheitsbezeichnung: Plötzlicher Wegverschluss

Wie beim Menschen zählt auch bei den Wegen der Infarkt zu den gefährlichsten Krankheiten. Der Infarkt kann unbehandelt zum Tod eines Weges führen.

Gesund ist ein gesunder, vitaler, durchlässiger Wanderweg. Ein Wanderweg, der immer weiter geht, bis an das Wanderziel.

Pathologie: Einzelne sackgassenartig endende Wege sind noch nicht als krankhaft anzusehen. Pathologisch wird es aber, wenn viele Wege enden, weggeackert oder ausgekoppelt sind ...

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Die Regression

Deutsche Krankheitsbezeichnung: Wege-Schwindsucht

Die Regression dünnt Wegenetze durch Wegewegfall aus.

Gesund ist ein vitales, ausreichend dichtes Wanderwegenetz.

Pathologisch: Regression ist die Jahrhundertkrankheit des 20. Jahrhunderts und immer noch nicht im Abklingen. Keine guten Zeiten für den guten alten Weg.

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Die Unidirectionalis

Deutsche Krankheitsbezeichnung: Einbahnstraßen-Wegemissbildung

Von Unidirectionalitis befallene Wege sind Einbahnstraßen, die nur in einer Richtung gekennzeichnet sind.

Gesund: Wanderwege werden normalerweise immer in beide Richtungen gekennzeichnet.

Pathologisch: Wenn ein Wanderweg nur in eine Richtung markiert ist, kann man ihn nicht in umgekehrter Richtung gehen. Die Wegweiser zeigen dem Wanderer dann immer nur den Weg an, auf dem er gerade gekommen ist.

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Die Multisignaturitis

Deutsche Krankheitsbezeichnung: Übermäßige Weg-Mehrfachmarkierung

Bei der Multisignaturitis handelt es sich um ein Übermaß von Wegemarkierungen.

Gesund: Einem Wanderweg ist in der Regel eine Wegemarke zugeordnet.

Pathologisch: Führen erst drei , vier , oder noch mehr Wegemarken auf einem Weg entlang, wird es verwirrend. Die Wegemarkierung entartet vom Leitsystem zum Verwirrsystem.

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Die Supersignaturitis

Deutsche Krankheitsbezeichnung: Übermäßige Weg-Sondermarkierung

Bei der Supersignaturitis handelt es sich um ein Übermaß von atypischen Wanderwege-Sondermarkierungen. Zusätzlich zur gewöhnlichen Wegemarkierung treten über- oder nebengeordnete Markierungen. Vermeintlich, um Übersicht herzustellen. Oft kommt es aber zur weiteren Verwirrung.

Gesund: Man will sich zurechtfinden. Und das ist am besten möglich, wenn ein Weg mit einer der üblichen Wegemarken ausmarkiert ist. Auch ist gegen einen einzelnen sondermarkierten Leitweg oder einen einzelnen Lehrpfad nichts einzuwenden.

Pathologisch: Na, etwa so etwas – etc. pp. ppp.

Auch hier entartet die Markierung vom Leitsystem zum Verwirrsystem. Derartige Sondermarkierungen können eine ganze Wanderlandschaft beeinträchtigen.

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Die Polycompetencitis

Deutsche Krankheitsbezeichnung: Wege-Kompetenz-Wirrwarr

Charakteristisch für die Polycompetencitis ist das Auftreten mehrerer wegbeschildernder Instanzen, die oft nur gering untereinander und mit der Wanderthematik vernetzt sind.

Gesund: Ein markierter Wanderweg trägt normalerweise eine einzelne, dezente Wegemarke.

Pathologisch: Wenn ein Weg von der Gemeinde als Wanderweg, vom Landkreis als Radweg, vom Forst als Reitweg, vom Heimatverein als Lehrpfad, vom überörtlichen Tourismusverband als Premium-Wanderweg und vom Skiclub als Skiloipe ausgewiesen wird, wird es böse. Es kommt zu Schilderhäufungen. Und der Kartograph weiß nicht mehr, mit welchem grün-rot-violett-gepunkteten und rosa gestrichpunktetem Band er das gute Stück in der Karte einzeichnen soll: Dann hat der Mensch hat die Landschaft so verändert, dass der Kartograph nicht mehr in der Lage ist, sie halbwegs brauchbar darzustellen.

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Die Totalitaritis

Deutsche Krankheitsbezeichnung: Wanderwege-Total- oder Voll-Ausmarkierung

Eine Totalitaritis ist dadurch gekennzeichnet, dass es in einem Wandergebiet fast keine unmarkierten Wege mehr gibt.

Gesund: Eine Wegemarkierung soll die Landschaft erschließen. Richtig ist es, wenn wichtige Weglinien eine Markierung tragen. Das leitet den Gebietsunkundigen. Der Kenner erschließt sich auch die unmarkierten Wege.

Pathologisch: Wenn sämtliche irgendwie begehbarer Wege einer Landschaft mit einer Wegemarke gekennzeichnet sind, entartet das Wandern vom Erleben einer Landschaft in ein permanentes Wegemarken-Auseinanderfitzen. Im Endstadium ist die Landschaft totmarkiert.

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Die Actionitis

Am Malerweg bei Reinhardtsdorf

Der krankhafte Angst davor, krank zu sein. Wege-Hypochondrie.

Gesund: Die Kernaufgabe wegeärztlicher Kunst ist es, Wegekrankheiten durch Behandlungen zu heilen.

Pathologisch: Nur, Behandlungen haben Nebenwirkungen. Wenn diese schlimmer sind, als das Grundleiden, dann sollte nicht therapiert werden. Dieser in der Humanmedizin selbstverständliche Grundsatz wird leider in der Wegemedizin allzuoft vergessen. Das führt zum eigenständigen Symptomkomplex der Actionitis.

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Die Anaesthetitis

Trivial auch gewöhnliche Hässlichkeit genannt

Anaesthetitis ist das weitgehende Unvermögen, Wegbeschilderungen in ästhetischer Hinsicht bewerten zu können. Eine Art Kontrollverlust.

Gesund: Selbstverständlich soll eine Wegemarkierung auch irgendwie gut aussehen.

Pathologischer Fall: Frauen ist es oft unbegreiflich, wie es denn sein kann, dass Männer niemals in den Spiegel gucken. Ja, sieht der denn nicht, wie der rumläuft? – heißt es dann in der Damenwelt. Noch unbegreiflicher ist es aber, dass die Leute, die die Schilder in die Landschaft setzen, diese offenbar oft mit verbundenen Augen aufzustellen scheinen. Denn um die sich anzugucken, braucht man noch nicht einmal einen Spiegel.

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Entlassung aus Dr. Böhms Wegeklinik

Die Entlassung aus Dr. Böhms Wegeklinik steht bevor. Zum Schluss geben wir noch ein paar gute Worte mit, für den Heimweg.

Wege sind Lebewesen. Sie haben ein starkes Immunsystem und können ohne Schaden zu nehmen vielen Unbilden trotzen. Man muss nicht jedes kleine Wehwehlein auskurrieren, an diesen knorrigen Gesellen. Wie bereits erwähnt, erreichen Wege schnell ein Alter von mehreren hundert Jahren, sie können sogar tausend Jahre alt und älter werden. Wir müssen lediglich ein wenig auf ihre Gesundheit achten und dürfen sie nicht tot machen.

Ein sehr gutes Mittel zur Pflege unserer Wege ist:

Hingucken. Mit unseren eigenen Augen.

Und so eventuell auftretende Krankheitssymptome zu erkennen. Das beste Mittel für einen Weg ist natürlich, ihn immer etwas zu bewandern. Das stärkt ihn und hält ihn gesund. Wenn Wege nicht mehr bewandert und wenn sie auch nicht andersweitig genutzt werden, dann verkümmern sie und wachsen am Ende zu.

Das Wandern stärkt die Gesundheit der Wege und unsere eigene Gesundheit und erhält uns beide lange am Leben.

Mögen unsere Wege immer gesund bleiben.


 

04.08.2013: Ich bedanke mich herzlich bei Herrn Burkhard Werner, Weifa für seine aufmunternde Mail „Markierungswirrwar und fehlende Pflege ...“. Herzlichen Dank für Ihre tröstenden Worte, Herr Werner.

22.10.2013: Ich bedanke mich bei Werner Lang, dem Webmaster von www.limeswanderweg.info. für die Mittelung der mir noch nicht bekannt gewesenen Wegekrankheit Premiumitis oder Zertifitis. So etwas spornt natürlich meinen Forscherdrang an.

12.01.2014. Deutsche Krankheitsnamen hinzugefügt.

16.01.2014. Erweiterung um 4 Unterseiten.

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