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Rücketraktor in der Kernzone

Themenwanderung an der Ochel

Aus verschiedenen Gebieten (Schmilka, Porschdorf, Kohlichtgraben) wird schwere Holzfälltechnik gemeldet. Die machen den ganzen Wald kaputt. Und besonders schlimm soll es an der Ochel sein. Da ist nämlich –

Kernzone: Achtung Holzeinschlag

äh – Kernzone.

Darf die Nationalparkverwaltung da eigentlich Bäume fällen? Da soll doch die Natur Natur bleiben?

Es geht ein Stück in den Kohlichtgraben hinein und dann links hoch unter die Ochelwände. Das sieht man schon ...

Ochelweg

Naja, okay, der Weg ist recht zerfahren ...

Ochelweg II

... aber eigentlich kommt man nach wie vor ganz gut durch.

Statt Aufregung und dem Ruf nach dem Rückepferd hier einmal eine unkonventionelle Botschaft: Leute, macht euch nicht verrückt und haltet den Ball flach, und die geht an beide Seiten, Nationalparkverwaltung und Wanderer. Wir leben im 21. Jahrhundert und bei aller Caspar-David-Friedrichschen Romantik – Wald ist Kubatur und viel Holz. Das heißt heutzutage Technik. Straßentrassierungsböschungen werden auch nicht mehr wie früher mit Spaten und Feldbahnlore geschüttet.

Ist es aber vielleicht nicht ein anders? Kommt der Zorn über den Harvester nicht eigentlich aus dem Überdruckventil des Besucherlenkungskessels? In den letzten Jahren wurde dem kleinen Wanderpfad, der alten Weglinie in der Kernzone, dem natursuchenden Einzelwanderer nur allzuoft ein geradezu apokalyptisches Zerstörungspotential angedichtet. Da kommt dann eben erst der Spott über die blauen Eichhörnchen, die beim Knacken eines Astes unter dem Wanderschuh angeblich einen Herzinfarkt bekommen.

Und dann regt man sich natürlich über den Rücketraktor auf, der da rumtuckert. Und über die böse Nationalparkverwaltung in der Kernzone. Dabei ist so ein Rücketraktor doch im Prinzip auch nichts anderes, als einer von den vielen Vierzigtonnern, die da pausenlos unsere Autobahnen langdüsen. Mal bissl verallgemeinert betrachtet, so mit den Augen von Lukanga Mukara.

Ach was. Andersherum: Man sehe sich doch nur einmal diesen herrlichen Fällschnitt an:

Meisterlich gefällt

Meisterlich gefällt. Die Seiten der Bruchleiste fast parallel. Einen kleinen Kamm hat es herausgezogen. Und der Stamm ist so gefallen, dass man danach glatt einen rechten Winkel abstecken könnte.

Da guckst du, Wanderer, voller Ehrfurcht, und zählst vielleicht die Jahresringe. Ob ein Holzfäller heutzutage noch manchmal Jahresringe zählt? Da hätte er aber viel zu tun. Die haben das Waldalter doch mittlerweile in ihrem Computer drin.

88 Jahresringe

Als wir vor 30 Jahren zur Fernblickboofe hoch sind, war da unten an der Thorwaldquelle eines Tages auch alles ganz schlimm zerfahren. Und natürlich was das ein Gemecker auf den Förster. Denn das war ja auch damals schon Naturschutzgebiet. Ach was, der Zeughausförster Gerhard Steiner hat den Weg dann wieder ganz super in Ordnung gebracht. Musste er ja auch. Der Förster hat die Wege doch nicht gebaut, weil es sein Hobby war. Sondern damit er die vielen Tonnen Holz wegfahren konnte. Das ging damals noch nicht zu Kronospan nach Lampertswalde. Sondern in die Haidemühle zu Manfred Retats Vater.

Es gibt viele Wege, die zum Holzrücken einfach nicht mehr gebraucht werden. Kulturgut sind sie dessenungeachtet dennoch. Da ist es doch eine wunderbare Konstellation, dass wir ein Wandergebiet sind, in welchem der Wanderer wandert. Und so die alten Wege durch Benutzung offenhält. Wenn die Nationalparkverwaltung uns Wanderer dann nicht mehr ganz so gängelt und schuriegelt, haben wir dann auch keinen Grund mehr, uns darüber aufzuregen, wenn da einmal ein paar Festmeter Fichte aus so einem Borkenkäferloch in der Kernzone rausgeholt werden müssen.

Was für ein idealer Platz für eine Wanderrast. Da kann kein Kneipentisch mithalten. 88 Jahresringe.

Da liescht der, dr Griebel

Wenn der erzählen könnte. Als der Baum gepflanzt wurde, war da gerade der große Nonnenfraß, der das ganze Bauernloch entblößt hatte. Und nun liegt er da. Und ab gehts, nach Lampertswalde. Bald wird er als schönes Laminat im Baumarkt liegen.


Nun ist aber Schluss mit der Holzfällerromantik: Ich weiß schon, was Gerhard Steiner sagt, wenn er das hier liest: Da haben diese Wanderer überhaupt nicht herumzukriechen. Bäume fällen ist vor allem eines: Lebensgefährlich. Abstand mindestens doppelte Baumlänge. Für Wanderer heißt das: Mindestens 200 Meter. Sobald wir auch nur von Ferne eine Kettensäge im Wald hören, haben wir Wanderer uns in gebührendem Abstand zu verfatzen.

15.01.2012
17.05.2014 Duchsicht

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