Der BUND und das Wandern

Kyrie eleison

Ein langer Text, der sein muss. Diese Seite als PDF

Unter dem Titel „Nationalpark Sächsische Schweiz – quo vadis?“ veröffentlichte der namhafte Naturschutzverband BUND am 20.07.2021 einen Forderungskatalog. Um eine vorgebliche „Opferung“ des Nationalparks zu verhindern, sei ein „angemessener Schutz“ umzusetzen. Dessen Kern könnte nun allerdings darin bestehen, dass das Wegenetz unserer wunderbaren Wanderlandschaft untergehen wird. Kyrie eleison.

„Soll die Sächsische Schweiz ein Spaßpark oder ein Nationalpark sein?“ https://www.bund-sachsen.de/service/presse/detail/news/nationalpark-saechsische-schweiz-quo-vadis .

Weil Links schnell verschwinden können: Screenshot 29.07.2021. Nummerierung R. B.

 

Das darf nicht unwidersprochen bleiben

Zu 1.: Nationalpark zu Schutzgebiet allerersten Ranges weiterentwickeln

Wir dürfen gespannt sein, was der BUND vorschlägt.

Zu 2.: Die beiden Nationalparkteile durch einen Korridor miteinander verbinden

Die beiden Nationalparkteile zu verbinden, ist eine seit Gründung des Nationalparks 1990 naheliegende Überlegung. So ein Vorhaben kann gelingen, wenn man die Einwohner, Landwirte, Waldbesitzer, Wanderer und Bergsteiger mit „ins Boot zu holt“. Allerdings operiert der BUND eher in die Gegenrichtung, so dass viele sagen werden: Alles, blos das nicht. Um Gottes Willen keine Nationalparkvergrößerung. Denn was Nationalpark nach den Vorstellungen des BUND heißt, erfahren wir gleich.

Zu 3.: Wegenetz auf Prüfstand, Ziel deutliche Reduktion, mehr Ruhezonen

„Deutlich“ – das quantifizieren wir anhand des „Komitee-Berichtes zur Evaluierung des Nationalparks Sächsiche Schweiz“, sowie von Wegedichtenplanungen anderer Nationalparks gleich einmal: Wir vermuten, dass es BUND-Pläne gibt, 80, 90, ja 95 % aller Wege wegfallen zu lassen. Damit würde die weitgehende Zerstörung des Wegenetzes der Sächsischen Schweiz fortgeführt, die durch die „Umkehr der Wegesperr-Ausschilderungslast“ in der Kernzone bereits eingeleitet wurde. Das Wandern wird dann zum Kolonnenwandern. Statt Wandern in der Natur Anstehen und Durchdrängeln – Belantis in der Rush hour. Alles aus der Luft gegriffene Anti-Naturschutz-Greuelpropaganda? Da einmal ins Naturschutz-Lehrbuch gucken:

Foto: Archiv Norddeutsche Naturschutzakademie
Geschickte Kanalisierung. Wolf-Eberhard Barth: „Naturschutz: das Machbare“, Parey 1995, Tafel 15. Foto: Archiv Norddeutsche Naturschutzakademie.

Der Autor ist laut Wikipedia ein Pionier des Naturschutzes. Das Buch gilt als Standardwerk (Zugriff 19.08.2021).

Zu 4.: Verstärkte Besucherlenkung und -information durch mehr Ranger

Also wohl eher Lenkung, als Information. Denn die Information, dass du auf einem kleinen romatischen Pfad im Wald nichts mehr zu suchen hast, kann man ja mit ein paar einfachen Schildern übermitteln. Erfahrene Wanderer wissen: Besucherlenkung in Nationalparks ist eine schönfärberische Umschreibung für Wanderverbot und Weguntergang. Noch freut sich manch romantisch veranlagter Einzelwanderer, wenn ihm auf ein paar uralten einsamen Kernzonenpfaden der Ranger freundlich begegnet. Denn der eine oder andere Wegweiser ist ja von der Nationalparkverwaltung „nur mal zur Vereinfachung der Beschilderung“ abmontiert worden, „um eine schädliche Über-Bewerbung zu vermeiden“. Ist ja auch richtig so, sagen viele Wanderer, das trennt uns bissl von den „Touristen-Autobahnen“ ab. Doch je mehr man die „Besucherlenkung verstärkt“, wird immer schneller der „Illegalitäts-Vorwurf“ kommen. Dabei wollen die Wandernden doch gar keine Gesetze brechen, sondern nur ein wenig in der schönen Natur sein. Nennen wir das Kind also beim Namen: Zur Durchsetzung zunehmend strikter gehandhabter Wanderverbote sollen die Ranger verstärkt als eine Art Waldpolizei eingesetzt werden, weshalb man da auch mehr Ranger braucht. Und weshalb diese dann auch „entsprechende Kontrollbefugnisse bekommen sollten“, so der Vorschlag von Nino Haustein (SZ Pirna vom 24.08.2021, S. 13). Ansonsten, Herr Haustein, bin ich in Sachen Boofen Ihrer Meinung.

Zu 5.: Vorübergehende Wegsperrung bis die Bäume von selbst umgestürzt sind

Erstmal zur Erläuterung, BUND: „Bäume“ – das sind diese großen hohen Dinger im Wald mit diesen dicken Holzpfosten unten dran. Wie lange wird es denn dauern, „bis die Bäume von selbst umgestürzt sind“? Auch pflegen Bäume nach dem „Umstürzen“ nicht zu verdampfen, sondern ein undurchdringliches Borkenkäfermikado zu bilden. Was dann erst noch wegfaulen muss. Wann soll denn da bitte diese putzige „vorübergehende Wegsperrung“ einmal vorüber sein? Nee, nee, Kinder, das ist überhaupt keine vorübergehende Wegsperrung. Was da angestrebt wird, ist eine weitgehende Auslöschung des Wegenetzes und zwar für immer. Siehe auch Evaluationsbericht, in dem schon seit 10 Jahren eine „Wegedichtenreduktion zur Vermeidung touristischer Störungen“ gefordert wird.

Zu 6.: Baumfällungen auf das Nötigste begrenzen

schließt daran an. Zunächst ist es ja verständlich, dass in einem Nationalpark keine Bäume mehr gefällt werden. Doch nun ist Oberförster Borkenkäfer am Ball gewesen und hat den Wald tot gemacht. Der wird nun eben zum Borkenkäfermikado. Gewiss, einige markierte Haupt- und Rettungswege werden weiterhin freigeschnitten. Was aber wird aus den vielen nichtmarkierten Nebenwegen, die das Wanderwegenetz eigentlich erst in seiner Feingliedrigkeit konstituieren? Im Wegeplan Nationalpark Hunsrück-Hochwald werden „unzerschnittene Teilflächen > 250 ha“ ausgewiesen, typische „Wegmaschengröße“ 2 Kilometer. Wenn man das auf den Elbsandstein überträgt, ist das nicht weniger als der Todesstoß für unsere wunderbare Wanderlandschaft. Kyrie eleison.

Zu 7.: Größere Abstände zwischen Kletteraktivitäten und Brutplätzen

Kann sein, es geht nur um gewisse Verstärkungen der Hostbewachungen von Nationalpark und Sächsischem Bergsteigerbund. Kann aber auch sein, dass hier recht weitreichende Sperrungen für Kletterziele und Gipfelzugänge gefordert werden. Auch werden hier Naturschutz und Bergsteigen gegeneinander ausgespielt. Damit wird der bisherige selbstverständliche Konsens zwischen den Bergsteigern und dem Naturschutz aufgekündigt. Droht möglicherweise „langfristig“ (s. u./Boofen) sogar ein totales Kletterverbot?

Zu 8.: Boofen langfristig verbieten

Bisher werden die „erlaubten Boofen“ im Nationalpark von allen Seiten weitgehend mitgetragen. Das will der BUND nun verbieten, weil die Sächsische Schweiz ansonsten „ein Spaßpark“ würde. Was die „Wildnis“ kaputt macht. Andersherum wird ein Schuh draus: Klar muss man irgendwo übernachten, wenn man draußen in der Wildnis ist und es dunkel wird. Die Vorstellung, dass sich der „Gast“ um 18:30 Uhr mit dem letzen Busshuttle aus dem Park „herausfatzen möge“ – das Personal hat langsam Feierabend und die „Eintrittskarte“ Parkschein läuft ab – Kinder, das soll „Wildnis“ sein? Das sind doch alles absolute Attribute eines Spaßparks. So schützen wir doch nicht den Nationalpark davor, Spaßpark zu werden, so erzeugen wir doch den Spaßpark. Boofen, eine „sächsische Ausnahme“, eigentlich mit einem Nationalpark unvereinbar, weil übernachten im Nationalpark nun einmal nicht geht? Stimmt nicht. In ganz vielen Nationalparks in der Welt gibt es Biwakschachteln, Übernachtungshütten, Zeltmöglichkeiten oder ein Jedermannsrecht. Im Elbsandstein gibt es eben das Boofen. Ich will nicht behaupten, dass das Boofen in unserem kleinen Nationalpark völlig unproblematisch wäre. Gut ist es, wenn man das mit ein bisschen Fingerspitzengefühl angeht.

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Was ist dazu zu sagen?

Schlimm, schlimm, alles ganz schlimm? Ach – überhaupt nicht. Denn es ist alles ziemlich unausgegoren, was der BUND da fordert.

Das lässt sich alles auch anders machen. Mit einem Naturschutz mit und für den Menschen. Mensch und Natur nicht zu einem Spannungsfeld aufhypertrophieren, in dem Mensch und Natur verfeindet sind und gegeneinander abgegrenzt werden müssen. Hier der „Massentourist“ auf abgezäuntem Hauptwanderweg und dort die „Natur“ in „unzerschnittener 250-Hektar-Fläche“? Andersherum. Mensch und Natur bilden eine Einheit in Harmonie. Wir Wanderer machen doch überhaupt nichts kaputt.

 

1. Die Wegedichte ist überhaupt nicht zu hoch

Die Wegedichte ist eine Maßeinheit, die uns Wandernden neuerdings Furcht einflößt, Maßeinheit „laufende Meter je Hektar“ (lfm/ha). Sie dient in Naturschutzstudien oft dazu, Wegezerstörungen zu rechtfertigen. Vorab: Wenn man die Wegedichte aus anti-anthropozentrischer Naturschutzsicht betrachtet, ist sie fast immer zu hoch. Einige typische Werte: Wegedichte im Elbsandstein etwa 100 bis 200 lfm/ha. Die Nationalparkverwaltung nennt 70 lfm/ha, was daran liegt, dass zahlreiche kleine Pfade von vornherein gar nicht erst erfasst worden sind. In Harz und Kellerwald nennt die Literatur eine Wegedichte von 30 lfm/ha. Gemäß der Studien ist diese Wegedichte zu reduzieren und zwar auf 20 lfm/ha. Das ist aber noch nicht das Ende der Fahnenstange. Wenn man im Wegeplan Nationalpark Hunsrück-Hochwald nachmisst, sind es gebietsweise sogar nur 5 lfm/ha. Wie auch immer, die Wegdichte der Sächsischen Schweiz ist geradezu Mount-Everestmäßig utopisch hoch. Um sie auch nur andeutungsweise auf „genehmigungsfähige“ Werte herabzudrücken, müsste man zwischen 80 % und 95 % aller vorhandenen Wege dem Untergang weihen. Darum nennen wir hier das Kind auch gleich einmal beim Namen: Nicht Wegdichtenreduktion, sondern Wegenetzzerstörung.

Hier könnte man nun entgegnen: Liebe Wegedichten-Analytiker, es war doch schon 1990 bekannt, dass wir hier solch eine ungeheuer hohe Wegedichte haben. Warum war man denn dann damals so töricht und hat ausgerechnet aus einer derartig nach vorgeblichen Naturschutz-Maßstäben völlig ungeeigneten Landschaft – ausgerechnet einen Nationalpark machen wollen?

Aber all das sind müßige Gedanken. Es gibt unterschiedliche Landschaften und unterschiedliche Wegdichten. Die vielen Wege hier gibt es seit mindestens dem Messtischblatt von 1878. Der Fremdenweg zum Prebischtor ist schon bei der Josephinischen Landesaufnahme von 1764 erfasst worden. Die ganze vorgeblich zu viel zu hohe Wegdichte hat jahrhundertelang der Natur überhaupt nichts geschadet. Im Gegenteil, die vielen kleinen Pfade sorgen für Romantik und gerade ihre meist geringe Begangenheit gewährleistet ein naturverträgliches Wandern. Mag sein, wir haben hier mehr Wege, als in einem Flachlandwald. Das ist nun einmal bei einem Felsengebiet so.

 

2. Wir sind überhaupt nicht zu viele Wanderer

Zwei, drei oder vier Millionen Wanderinnen und Wanderer besuchen Jahr für Jahr den Elbsandstein. So genau weiß man das nicht. Seit es den Nationalpark gibt, heißt es immer öfter: Das ist zu viel. Aber kein Mensch weiß, was eigentlich „normal“ ist. Schon 1851 reisten ganz viele „Fremde“ in die Sächsische Schweiz. Sie kamen mit dem Dampfschiff und der Eisenbahn. Um 1900 befördert die Sächsische Dampfschiffahrt 3,4 Millionen Fahrgäste pro Jahr, ein Großteil davon gewiss Elbsandstein-Wanderer und -Ausflügler. Die meisten unserer Ausflugsgaststätten, Mühlenausschänke und Berggasthäuser stammen aus dieser Zeit. Wovon haben die damals gelebt? Von drei verkauften Mittagessen pro Tag wohl kaum. Seit dem 19. Jahrhundert hat sich die Besucherzahl nicht wesentlich geändert. Als man zu DDR-Zeiten kaum „raus“ kam, dürften sogar etwas mehr Gäste gekommen sein. Haben die Generationen unserer Altvorderen die Natur zerstört? Wohl kaum. Denn dann hätte man doch hier 1990 keine so wundervoll naturnahe Landschaft vorgefunden, mit der man nichts besseres vorhatte, als ausgerechnet einen Nationalpark draus zu machen. Erst mit Nationalparkgründung sind es plötzlich „zu viele Besucher“ geworden, denen Vermüllung, Verlärmung, Trittschäden und Artenvielfalt-Zugrunderichtung vorgeworfen wird. Hat sich nicht vielmehr das Umweltbewusstsein der Menschen stark verbessert? Kein Wanderer unserer Tage braucht noch darauf aufmerksam gemacht werden, dass man kein Papier, Blechdosen und anderen Unrat im Wald wegwirft, wie im „Fehrmann“ von 1923 noch auf Seite VIII belehrt wurde.

Und es ist alles ein harmonisches, über Jahrhunderte gewachsenes System. Es ist gewiss heute nicht „schlimmer“ als zu Caspar David Friedrichs Zeiten.

Im Elbsandstein gibt es schon immer ein verträgliches und angemessenes Wanderaufkommen. Klar, an manch schönen Wochenenden war es schon immer auch mal etwas überlaufen. Meist aber auch nicht. Und mit etwas Sächsischer-Schweiz-Erfahrung weiß man auch, wie man dem Begängnis etwas aus dem Weg geht.

 

3. Der Mensch gehört im Nationalpark einfach mit dazu

Der BUND erweckt den Eindruck, nur ein Nationalpark ohne Menschen wäre ein guter Nationalpark. Der Mensch als Gegner der Natur, als ihr Opponent, der nur eins muss: Raus hier.

Das ist nicht nur unzutreffend, es widerspricht auch den international definierten Nationalparkzielen. Die internationale Naturschutz-Organisation IUCN gliedert Schutzgebiete in verschiedene Kategorien. Der Nationalpark bildet IUCN-Kategorie II. In Nationalparks werden zwei Ziele verfolgt: 1. der Naturschutz und 2. die Bildung und Erholung des Menschen. Bemerkenswert ist, dass beide Ziele primär und demzufolge gleichrangig sind. Für einen Naturschutz ohne den Menschen gibt es eine gesonderte IUCN-Kategorie, das ist die Kategorie I, das Totalreservat. Kategorie I wird nochmals gegliedert in Ia (Forschungsgebiet) und Ib (absolutes Windnisgebiet). Kategorie-I-Gebiete sind oft nur wenig bekannt. Der Schweizerische Nationalpark in Graubünden ist z. B. ein Gebiet der Kategorie I, bei uns in Sachsen die Königsbrücker Heide. Dort mögen wir Wanderer eher nicht so viel zu suchen haben.

Ich denke, dass der BUND, indem er den weitgehenden Untergang des Wegenetzes der Sächsischen Schweiz anstrebt, hier etwas verwechselt: Nationalpark mit Totalreservat, Kategorie II mit Kategorie I. Ganz klare Ansage: Nationalparks sind ausdrücklich für Gäste, Besucher, Ausflügler, Erholungssuchende, Wanderer da. Das ist die Aufgabe eines Nationalparks. Dafür werden sie vom Staat finanziert. Der Nationalpark Sächsische Schweiz ist IUCN-Kategorie II. Etwas anderes ist mir nicht bekannt. Die Sächsische Schweiz ist ausdrücklich kein Totalreservat. Der Mensch hat hier ebenso seine Berechtigung wie der Naturschutz. Einen Nationalpark mit Wegsperrungen in ein Totalreservat verwandeln, ist falsch.

 

4. Und schließlich: Jeder darf die freie Landschaft betreten

Es gibt in Sachsen ein Naturschutzgesetz. Dort steht in § 27, dass die freie Landschaft von allen für Zwecke der Erholung unentgeltlich betreten werden darf. Eine Einschränkung auf irgendwelche Nicht-Naturschutzgebiete ist nicht erkennbar. Und nun heißt es, Wanderer im Nationalpark sind „illegal“ und die Leute müssen vom Hubschrauber mit Wärmebildkamera aus ihren Boofen gejagt werden. Bei Zuwiderhandlung 2500,00 € Bußgeld. Andersherum. Wieso gilt da im Nationalpark Sächsische Schweiz eigentlich der § 27 des Sächsischen Naturschutzgesetzes nicht mehr? Eine gewisse Beschränkung ist in einem Nationalpark selbstverständlich nachvollziehbar und zu akzeptieren. Aber doch nicht immer mehr Wege verbieten oder unwegsam werden lassen und am Ende die 2 Kilometer große „Wegmasche“ und der 250 Hektar große „unzerschnittene Raum“. Da wird es wohl doch langsam einmal Zeit, auf unser gutes Recht hinzuweisen: Der Wanderer macht beim Wandern von seinem Recht zum Betreten der freien Natur Gebrauch. Das ist die Regel. Eventuelle Betretungsverbote im Nationalpark können als Ausnahmen durchaus möglich sein, aber dann sind das eben Ausnahmen von allgemein geltendem Recht. Wir Wanderer brauchen grundsätzlich überhaupt kein schlechtes Gewissen haben, dass wir da vermeintlich irgendwie „illegal“ wandern würden. Wo ist denn das schlechte Gewissen des Umweltministeriums dafür, dass es das Naturschutzgesetz mit der Nationalparkverordnung auf dem Verordnungsweg ins Gegenteil verkehrt?

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Wir fassen zusammen

Von der Unausweichlichkeit der Apokalypse

„Soll die Sächsische Schweiz ein Spaßpark oder ein Nationalpark sein?“ Mit dieser Frage versucht es BUND-Professor Felix Ekardt auf dem Punkt zu bringen. Selbstverständlich wollen wir keinen „Spaßpark“ mit lauter schlecht gemachtem Menschenwerk, sondern einen „Nationalpark“ mit ganz viel Natur. Der BUND sagt eine „schleichende Zerstörung des Nationalparks“ durch den Wanderer voraus. Was für ein schlimmes Orakel. Da muss doch etwas dagegen getan werden.

Nur fragt sich, wohin die Reise des BUND eigentlich geht. Da wird das Wegenetz ausdünnt und der Wanderer „geschickt kanalisiert“. Wir sollen immer dichter in Kolonne wandern und so werden die zahllosen schmalen Pfade zu wenigen breiten Wegen. Bald schon müssen rechts und links Geländer dran, wie oben auf dem Lilienstein. Du reist an, stellst dein Auto auf dem Auffangparkplatz ab, das Shuttle bringt dich ins Kirnitzschtal. Alexa hat dir schon das Boofenpermit gebucht. Dumm nur, dass draußen in deiner Boofe kein Handymast in der Nähe ist und so kriegst du den QR-Code nicht runtergeladen. Dann Boofenkontrolle, aber der Ranger hat auch keinen Empfang und so schreibt er deine Personalien in einen ollen Papier-Quittungsblock. Das wird dann in der Bußgeldstelle abgeglichen. Wenn die die Boofenticketbuchung sehen, braucht nichts nachgezahlt werden.

Handyticket, P+R-Parkplatz, Parkscheinautomat, Kontrolle durch die Security. Ach was ist das doch alles für ein schlecht gemachtes Menschenwerk. Um das böse Schicksal „Spaßpark“ abzuwenden, haben wir den Wald mit lauter Spaßpark-Insignien vollgestopft. Oh, seien wir Sterblichen doch zur Vorsicht gemahnt. Schon Ödipus hat, indem er wähnte, mit seinem Handeln das tragische Geschehen verhindern zu müssen, den Lauf der Tragödie überhaupt erst in Gang gesetzt. Was die Götter uns als Schicksal zugedacht haben, können wir Menschen niemals ändern. Ist ja richtig, dass man auf dem Spaßparktyp „Abenteuerspielplatz“ auch mal was kaputt macht. Blos statt dessen nun Disneyland-Rundgang mit Onlineticket und Security – Kinder, das ist doch blos eine andere Sorte von Spaßpark. Ohnmächtig müssen wir aushalten, wie sich unser Schicksal erfüllt.

Doch Rettung ist möglich

Einzig die Gnade der Götter kann uns retten. Plötzlich bricht ein gewaltiger Regenguss herunter und wir merken, dass Natur auch anders kann, als Spaßpark. Die Brühe durchweicht deine Klamotten und auch dem Ranger sein Quittungsblock ist nur noch Pampe. Er hat ein paar Brombeeren gesammelt. Du bietest ihm einen Schluck aus deiner Feuerwasserflasche an. Bei so einer Hundekälte, sagt er, haben die früher eigentlich immer Feuer gemacht. Obwohl, war auch damals schon verboten. Wenngleich, bei so einem Wetter schadet ein kleines Feuer wirklich nichts. Natürlich muss man aufpassen. Ist aber heute alles anders, Nationalpark. Und, diese Städter haben eben wirklich keine Ahnung mehr, wie man Feuer macht. Kann man wirklich nicht mehr erlauben. Deshalb macht er auch die Feuerstelle immer wieder weg, wenn so ein paar Idioten da waren. Sonst denken die noch, es wäre erlaubt. Bevor er sich im Regen auf den Heimweg macht, teilt er dir noch das alte Versteck hinten mit, wo er das trockene Holz dann immer hinschmeißt. Aber bitte daran denken, dass dies ein Nationalpark ist.

Und so wird das Ganze doch noch zu einem unvergesslichen Naturerlebnis. Nichts kann dir mehr die Natur nahebringen, als so eine wunderbare Freinacht. Früh am Morgen dann Sonnenaufgang über den unendlichen Wäldern des Hinteren Landes. Fern über den Nebelbänken der Tannenberg und der Milleschauer. Wie bei Caspar David Friedrich.

 

Ist so etwas nicht wunderbar, BUND? Was will man mehr als Naturschutzverband – als Menschen und Natur in so vollendeter Art miteinander zu versöhnen.

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29.07.2021 Initial
19.08.2021 Nach dem Aufsatz „Naturschützer fordern Boof-Verbot im Nationalpark“ von Dirk Schulze, SZ Pirna (18.08.2021, S. 13) zusammengeschrieben
20.08.2021 Belantis ist eine Anregung von Dietmar Schubert
23.08.2021 Gestrafft
24.08.2021 Aktualisiert (Nino Haustein)
26.08.2021 PDF gemacht
27.08.2021 ... noch etwas ausgefeilt
29.09.2021 ... noch etwas weiter ausgefeilt

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